Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den secundären Widerstand, ein durch den Strom bewirktes Widerstandsphänomen an feuchten porösen Körpern (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1860, S. 816)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29139/39/
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Y. lieber den secundären Widerstand u. s. w. 
Aeusserste geschwächte Strom in einem Eiweissprisma noch immer grössere 
Dichte besitzt als in einem Kartoffelprisma von gleichen Maassen. Allein 
es wäre möglich, dass mit Kochsalz-Hülfsbäuschen sich jetzt Spuren des 
inneren secundären Widerstandes da entdecken liessen, wo sie mit den 
Kupfersalz-Zuleitungsbäuschen vermisst wurden. 
Bei den gekochten Pflanzengewebetheilen ist dies indess nicht ein¬ 
getroffen, und ebensowenig bei dem Eiweiss, in Bezug worauf der ent¬ 
scheidende Versuch sich schon oben S. 106 angestellt findet. Ist ein 
Eiweissprisma zwischen Kochsalz-Hülfsbäuschen dem Strom ausgesetzt, so 
folgt dem Umlegen der Wippe kein langsames AVachsen; also ist kein 
innerer secundärer Widerstand da. Dies ist nämlich die Gestalt, welche 
jetzt hier der Umkehrversuch annimmt, der oben S. 94. 95 als für das 
Dasein des inneren secundären Widerstandes entscheidend erkannt wurde, 
indem bei der Geringfügigkeit der inneren Polarisation das Bedenken 
nicht stattfand, dem wir oben S. 109, [892] wo es sich um Polari¬ 
sation metallischer Elektroden handelte, allerdings Gehör geben mussten. 
Man kann aber auch, wenn man vollends sicher gehen will, den Um¬ 
kehrversuch in seiner ursprünglichen Form beibehalten. Auf beiderlei 
Art habe ich mich überzeugt, dass auch unter dem Einfluss des durch 
äusseren secundären Widerstand ungeschwächten Stromes der zwanzig- 
gliederigen GnovE’schen Säule, Sehne, Bückenmark und Muskelfleisch 
vom Binde, letzteres längs der Faser sowohl als senkrecht darauf durch¬ 
strömt, keinen inneren secundären AViderstand annehmen. 
Nun aber erhebt sich eine Frage von wesentlichem Interesse. Die 
Pflanzengewebe büssen durch Kochen die Empfänglichkeit für den secun¬ 
dären AViderstand ein. Das todte Holz, die im Papier und der Pappe 
verarbeitete Pflanzenfaser nehmen keinen solchen Widerstand an. Die 
thierischen Gewebe, die wir bisher darauf geprüft haben, waren zwar so 
frisch, wie man sie aus dem Schlachthause bekommen kann, da sie aber 
von Warmblütern stammten, unstreitig als todt anzusehen. Es ist also 
die Möglichkeit da, dass thierische Gewebe, die noch im Besitz ihrer 
Lebenseigenschaften verharren, jenes Widerstandes fähig seien. Unter¬ 
stützt wird diese Vermuthung durch die Wahrnehmung, dass Muskeln, 
ganz wie Kartoffeln und Begoniastiele, durch Kochen sehr an Leitungs¬ 
güte zunehmen. Obwohl es vielleicht nicht unthunlich wäre, Versuche 
über den inneren secundären Widerstand an lebenden AVarmblütem, ft 
am Menschen selbst, anzustellen, habe ich mich in dieser Bücksicht bis¬ 
her auf die uns zunächst angehenden Muskeln und Nerven des Frosches 
beschränkt. 
Das beste Versuchsobject, was die Muskeln betrifft, wird durch dio 
Gruppe der beiden ziemlich parallelfaserigen starken Muskeln des Ober-
        

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