Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den secundären Widerstand, ein durch den Strom bewirktes Widerstandsphänomen an feuchten porösen Körpern (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1860, S. 816)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29139/33/
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Y. Ueber den secundären Widerstand u. s. w. 
darin ihr Platz machen kann. Daher rührt die kegelförmige Anschwellung 
am Austrittsende, welche um so grössere Dimensionen annimmt, je länger 
der Strom, wie dies beim Kochsalz u. s. w. der Pall ist, ungeschwächt, 
oder gar durch die von ihm selber ausgehende Erwärmung des Eiweisses 
verstärkt, seine kataphorische Wirkung übt. Ebenso wird die Eiweiss¬ 
feuchtigkeit das Eintrittsende schneller räumen, als die Kupferlösung aus 
dem Eintrittsbausch ihr folgen kann. Daher muss hier, an der Grenze 
beider Flüssigkeiten, eine an Wasser verarmte und deshalb geschrumpfte 
und hornig verhärtete Stelle entstehen, die sich aussen als Würgung 
bemerklich macht. Die Würgung muss, wie die Erfahrung lehrt, mit der 
Dauer des Stromes an Tiefe und Breite zunehmen, denn mit dieser 
Dauer muss der Vorsprung wachsen, den die Eiweissfeuchtigkeit vor der 
Kupferlösung gewinnt. Aber auch die Eiweissstrecke zwischen der Grund¬ 
fläche und dieser Stelle muss, ganz wie wir es gefunden haben (s. oben 
S. 104), härter erscheinen als eine durch Diffusion entstandene, weil 
das Wasser aus dem Eiweiss vertrieben wurde, ehe die gesättigte Lösung' 
eindrang, welche das Eiweiss nicht wie Wasser aufzuweichen vermag. 
So weit scheint Alles deutlich, und was liegt näher, als folgender- 
maassen weiter zu schliessen. Die an Wasser verarmte Strecke muss 
nothwendig fast nichtleitend werden, und wirklich haben wir darin den, 
eigentlichèn Sitz des secundären Widerstandes erkannt. Die Würgung 
scheint also selber daran Schuld zu sein, dass sie nicht weiter vorschreitet, 
sondern auf einer gewissen Stufe der Ausbildung und in einer gewissen 
Entfernung vom Eintrittsende stehen bleibt. Dies geschieht, wenn der 
Strom dadurch so geschwächt ist, dass er den Widerstand nicht mehr 
zu überwinden vermag, der sich der Bewegung der Flüss- [885] igkeiten 
im Eiweiss entgegenstellt. Je kleiner übrigens der Querschnitt des Eiweiss-, 
prisma’s am Eintrittsende, um so schwächere Ströme werden dem Wasser , 
über die Kupferlösung einen Vorsprung von gegebener Grösse verschaffen» 
oder in um so kürzerer Zeit wird bei gleicher Stromstärke der gleiche ■ 
Vorsprung erreicht werden. Hört der Strom auf, so zieht das getrocknete 
Eiweiss rasch wieder Feuchtigkeit an. Darauf beruht die theilweise Wieder¬ 
herstellung des Stromes durch das Oeffnen der Kette. Legt man die 
Wippe um, so wird die ausgedörrte Scheibe durch die mit dem Strome 
wiederkehrende Feuchtigkeit des Eiweisses bewässert, und der Strom geht-:' 
schneller und viel weiter in die Höhe, ohne jedoch ganz die ursprüngliche. 
Stärke wiederzuerlangen (s. oben S. 88. 103): denn in der That verändert : 
die Würgung am alten Eintrittsende ihr Aussehen nur wenig unter dem .-: 
Einfluss des umgekehrten Stromes, während man sofort eine solche auclQ, 
an Stelle der früheren Anschwellung am alten Austritts-, dem neuen 
Eintrittsende, entstehen sieht.
        

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