Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den secundären Widerstand, ein durch den Strom bewirktes Widerstandsphänomen an feuchten porösen Körpern (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1860, S. 816)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29139/30/
Widerstande bei Zuleitung des Stromes durch metallische Elektroden. 109 
zwischen Platinelektroden, die mit dieser Säule verknüpft sind, so sinkt 
unter lebhafter Gasentwickelung die Stromstärke rasch auf einen kleinen 
Bruchtheil ihrer Grösse, während sich am Austrittsende ein Kegel in der 
oben S. 105. 106 beschriebenen Art ausbildet, der aber hier eine eigentüm¬ 
liche Beschaffenheit hat. Er besteht nämlich aus einer durchsichtigen, 
von vielen (Wasserstoff-) Blasen erfüllten, äusserst weichen Masse, die wie 
hartgesottenes Kiebitzeiweiss aussieht, und aussen und innen stark alkalisch, 
reagirt. Am Eintrittsende bewahrt das Eiweiss sein porzellanartiges An¬ 
sehen und fühlt sich härter an als in der Mitte, wo es unverändert bleibt; 
die harten Theile reagiren lebhaft sauer. Eine Würgung findet nicht 
statt. Legt man die Wippe um, so geht der Strom zuerst in einem 
Sprunge, dann aber so langsam in die Höhe, dass es ganz so aussieht, 
als habe man [881] es mit dem Verschwinden secundären Widerstandes, 
zu thun. Auf der Höhe verweilt der Strom nur einen Augenblick und 
sinkt dann wieder, und dieser Vorgang wiederholt sich so oft wie man 
die Strömungsrichtung ändert, ohne dass auch bei langer Dauer des 
Stromes in der der ursprünglichen entgegengesetzten Richtung, der Eiweiss- 
cylinder seine Gestalt wieder annähme, geschweige ein Kegel am neuen 
Austrittsende sich bildete. 
Sind die Platinoberflächen nur klein, wie es der Fall ist, wenn man 
Platindrähte als Elektroden einer fünf- bis zwanziggliederigen Säule in 
das Eiweiss einsticht, so verlaufen die Erscheinungen, was die Schwankungen 
der Stromstärke betrifft, ähnlich, nur dass das langsame Wachsen nach, 
dem Umlegen vermisst wird. Es fragt sich, ob dies Wachsen hier auf 
secundären Widerstand zu deuten sei. Es könnte nämlich auch dadurch, 
dass sich der Polansationsstrom plötzlich, statt sich vom ursprünglichen 
Strom abzuziehen, dazu hinzufügt, des letzteren thermische Wirkung 
wachsen, und den Widerstand des Eiweisses herabsetzen. Inzwischen ist 
erstens die Schwächung des Stromes zu beträchtlich, um sie allein der 
Polarisation zuzuschreiben, zweitens der positive Ausschlag beim Umlegen 
nicht so gross, wie er sein müsste, wenn diese Schwächung allein von 
Polarisation herrührte. Drittens endlich zeigt sich, dass auch hier das 
Eintrittsende eine besondere Rolle bei der Schwächung des Stromes spielt, 
indem dem Abschneiden des zeitigen Eintrittsendes stets eine ungleich 
grössere Hebung des Stromes folgt als dem des zeitigen Austrittsendes. 
Hat man Platindrähte als Elektroden des geschwächten Stromes im Ei- 
Weiss stecken, und zieht man die Kathode heraus um sie wo anders 
einzustechen, so bleibt Alles beim Alten. Verfährt man ebenso mit der 
■^ode, so erreicht der Strom auf Augenblicke seine ursprüngliche Grösse 
nieder. Dies zeigt um so sicherer, dass es sich hier um äusseren secun- 
dären Widerstand, und nicht um Polarisation handelt, als bei der Polari-
        

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