Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den secundären Widerstand, ein durch den Strom bewirktes Widerstandsphänomen an feuchten porösen Körpern (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1860, S. 816)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29139/22/
§. 5. Nähere Untersuchung des inneren secundären Widerstandes. 101 
prisma’s, die Stromdichte in der verjüngten Strecke nicht hinlänglich 
■wuchs, oder, bei grossem Widerstande, in Folge der Schwäche des Stromes 
sogar bei dreissig GnovE’schen Gliedern der Säule die Erscheinungen 
undeutlich wurden. 
Unsere Bemühungen, das Wachsen des inneren secundären Wider¬ 
standes mit abnehmendem Querschnitt bei beständiger Stromstärke nach¬ 
zuweisen, bleiben somit für jetzt vergeblich. Die Folge wird uns indess 
in den Stand setzen, diese Frage mit besserem Erfolg wieder aufzunehmen 
.(s. unten §. XI). 
Wollte man den inneren secundären Widerstand in den Ausdruck 
für den Widerstand des Kartoffelprisma’s einführen, so würde er, nach 
den Untersuchungen dieses Paragraphen, durch einen von der Stromdichte 
und der Dauer der Durchströmung abhängigen Summanden zu dem 
Coëfficienten darzustellen sein, der den Widerstand des Gewebes für die 
Einheit der Länge und des Querschnittes bedeutet. 
§. VI. Abhängigkeit des äusseren secundären Widerstandes 
von Stromstärke und Querschnitt. 
Wir kehren nun zurück zu dem äusseren secundären Widerstande, 
der aus mehreren Gründen bei weitem die wichtigere Erscheinung für 
uns ist. Gleich dem inneren secundären Widerstande wächst der äussere 
in einem gegebenen feuchten porösen Körper rasch mit der Stromstärke. 
Bei nur einer GnovE’schen [872] Kette im Kreise zeigt sich an einem 
Eiweissprisma von den gewöhnlichen Maassen keine sichere Spur davon. 
Bei fünf GnovE’schen Gliedern dagegen sind schon alle oben beschrie¬ 
benen Erscheinungen am Eiweiss, dem Muskelfleisch, dem Knorpel, dem 
elastischen und dem Sehnen-Gewebe, dem der Kartoffel, deutlich wahr¬ 
zunehmen, nur dass das Sinken sowohl als das Wiederanwachsen der 
Stromstärke nach dem Umlegen der Wippe viel langsamer vor sich gehen 
als bei den hohen Stromstärken, und dass sich leicht Unregelmässigkeiten 
einstellen, z. B. der secundäre Widerstand nur oder vorzugsweise bei der 
einen Stromrichtung auftritt. 
Die Ursache, weshalb wir uns bisher stets einer Säule von so grosser 
Gliederanzahl bedient haben, und dies für gewöhnlich auch fernerhin thun 
werden, ist also nicht etwa, dass es solcher Mittel bedarf, um den inneren 
oder äusseren Widerstand sichtbar zu machen. Sondern aus demselben 
Grunde, aus dem diese Anordnung vielleicht für den einen unserer Zwecke 
nicht die günstigste war, nämlich um die innere Polarisation im ursprüng¬ 
lichen Kreise zu beobachten, eignet sie sich zur Untersuchung des secun¬ 
dären Widerstandes. Sie hat gerade den Yortheil, dass wir uns dabei
        

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