Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beschreibung einiger Vorrichtungen und Versuchsweisen zu elektrophysiologischen Zwecken (Abhandlungen der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1862, S. 75)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29130/75/
§. 19. Vom Froschunterbrecher hei Versuchen an Zitterfischen. 219 
Capillaranziehung getragene Quecksilberfaden bei der geringsten Hebung 
der Spitze reisst (Mg. 12 a, Taf. III). 
Wie man leicht erkennt, ist nicht allein dieser Kunstgriff der Vor¬ 
richtung entlehnt, womit Hr. Helmholtz die Fortpflanzungsgeschwindig¬ 
keit der Reizung im Nerven nach dem PouiLLET’schen Verfahren maass, 
sondern unsere Vorrichtung ist überhaupt nichts als eine bequemere und 
einfachere Gestalt der von ihm angewendeten.1 Der Hebel ersetzt das 
bei Hrn. Helmholtz sogenannte „stromführende Zwischenstück“, welches 
frei am Muskel hängt, und den doppelten Vortheil einer rein senkrechten 
und ganz ungehinderten Bewegung bietet. Dieser Vortheil ist in unserer 
Vorrichtung aufgegeben, da der Hebel sich im Kreise bewegt und dies 
nicht ohne eine gewisse Reibung vermag. Dafür ist dessen Handhabung 
leichter, weil die Pendelschwankungen des Zwischenstücks und die Un¬ 
sicherheit seiner Lage auf dem es stützenden Querbalken MM (in den 
HELMHOLTz’schen Figuren 1, 2) fortfallen. Die Abweichung von der 
Senkrechten bleibt bei der Art, wie die Vorrichtung gebraucht wird, ohne 
Einfluss. Selbst am Myographion, wo sie die Curven etwas entstellt, 
wird sie vernachlässigt. Dass die verquickte Spitze vermöge ihrer Lage 
am Hebel einen um ein Drittel längeren Weg beschreibt, als der Stift, 
und dieser einen um die Hälfte längeren, als der Angriffspunkt des 
Muskels, sichert einestheils die Zerreissung des Quecksilberfadens, anderen- 
theils die Oeffnung des Kreises zwischen Stift und Stützplatte, bei Ver¬ 
kürzungen, wo an der ursprünglichen Vorrichtung Beides ausgeblieben 
wäre. Was die Reibung betrifft, so lehrt die Erfahrung am Myographion, 
wo zu der Reibung an der Hebelaxe noch zwei andere hinzutreten, dass 
daraus keine namhafte Störung erwächst. Unsere [154] Vorrichtung 
dürfte sich daher zur Anstellung von Messungen über den zeitlichen 
Verlauf der Zuckung nach dem PouiLLET’schen Verfahren recht gut 
eignen, nachdem man sich überzeugt hätte, dass sie in ihrem gegen¬ 
wärtigen Zustande die hinreichende Stabilität besitzt, oder nachdem man 
ihr solche durch passende Verstärkung ertheilt hätte. Auch würde sich 
leicht noch am Ende des Hebels ein Zeichenstift wie am Myographion 
anbringen lassen, was Gelegenheit zu manchen wichtigen Versuchen böte. 
Wie dem auch sei, es ist klar, dass die damals von Hm. Helm¬ 
holtz ermittelten Grundbestimmungen über die bei sich gleichbleibender 
Länge mit der Zeit wachsende Spannung des Muskels auf unsere gegen¬ 
wärtigen Versuche Anwendung finden. Indem man den Muskel mittels 
der Mikrometerschraube senkt, erreicht man, dass der Hebel durch die 
Platte gerade in der Stellung unterstützt wird, in welcher der Muskel ihn 
1 Archiv für Anatomie u. s. w. 1850. S. 276. Taf. VIII.
        

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