Bauhaus-Universität Weimar

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Zu bemerken ist noch, dafs bei einein einzelnen schwin¬ 
genden Massenpunkte das Quadrat der Elongationen nur 
dann Einflufs auf die Bewegungen haben kann, wenn er 
unsymmetrisch befestigt ist. Denn in der oben gemachten 
Annahme für die Gröfse der elastischen Kraft k, welche 
den Massenpunkt in seine Gleichgewichtslage zurückzufüh¬ 
ren strebt, 
k — ax + bx'> 
liegt implicite die Bedingung, dafs eine Verschiebung in 
Richtung der negativen x eine andere elastische Kraft her- 
vorrufe, als eine solche in Richtung der positiven x. 
Unter den Theilen im Ohre finden wir nun namentlich 
das Trommelfell in höchst unsymmetrischer Weise gebildet. 
Der Stiel des ersten Gehörknöchelchens, des Hammers, ist 
in dasselbe eingewachseu, und zieht es trichterförmig nach 
innen. Eben dieser zur Entstehung der Combinationstöne 
nothwendigen unsymmetrischen Bildung wegen glaube ich 
annehmen zu dürfen, dafs wenn im Ohre Combinationstöne 
entstehen, namentlich das Trommelfell dabei betheiligt sey. 
Die Asymmetrie des Ohres spricht sich auch deutlich aus 
bei Scheibler’s Versuchen über die Schwingungen un¬ 
rein gestimmter harmonischer Intervalle, welche Versuche, 
wie ich oben erwähnt habe, auch mit einfachen Tönen ge¬ 
lingen. Es läfst sich aus Scheibler’s Bestimmungen der 
Zahl der Stöfse nachweisen, dafs zwei Schallwellenzüge ver¬ 
schiedene Empfindungen im Ohre erregen, wenn die Elonga¬ 
tionen derLuftthcilchen in ihnen in entsprechenden Zeitpunk¬ 
ten gleiche Gröfse, aber entgegengesetzte Richtung haben. 
Nimmt man z. B. zwei Gabeln, die genau eine Octave 
mit einander bilden, und verstimmt die höhere um so viel, 
dafs sie in der Sekunde eine Schwingung mehr macht als 
vorher, so hört man beim Zusammenklingen beider Gabeln 
in jeder Sekunde eine Schwebung. Diese Schwebung giebt 
sich dem Ohre mehr durch einen Wechsel der Klangfarbe, 
als durch wechselnde Stärke des Tons zu erkennen. Es 
klingt ungefähr wie U — (£ — U — € — U — € u. s. w. 
Während also die beiden zusammenklingenden Töne zu
        

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