Bauhaus-Universität Weimar

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herauszustellcn, den zusammengesetzten Ton eines musika¬ 
lischen Instruments Klang zu nennen, und den Namen des 
Tones nur auf eiufachc Töne aiizuweudcn. Ein Klang wäre 
danach also eigentlich ein Accord mit überwiegendem Grund¬ 
ton, seine Stärke würde gleich der Summe der Stärke der 
einzelnen in ihn eintretenden Töne seyn, seine Höhe gleich 
der Höhe seines Grundtons. Das Ohr ist nun gewöhnt, 
die Klänge der musikalischen Instrumente, der menschlichen 
Stimme u. s. w. immer in derselben Zusammensetzung wie¬ 
derkehrend zu hören, so dafs sie ihm zu bestimmten und 
bekannten Sinneswahrnehmungen werden, über deren Zu¬ 
sammensetzung zu reflectiren es keine Veranlassung hat, 
eben so wenig, wie wir uns für gewöhnlich klar machen, 
dafs die sinnliche Anschauung eines körperlich ausgedehn¬ 
ten Gegenstandes aus zwei verschiedenen Netzhautbildern 
beider Augen zusammengesetzt ist. Wir beachten die Sin¬ 
nesempfindungen im gewöhnlichen Gebrauche unserer Sinne 
ja überhaupt nur so weit, als sie uns dienen Gegenstände 
und Ereignisse der Aufsenwelt zu erkennen, und vernach¬ 
lässigen, was dazu unnöthig ist, in solchem Grade, dafs eine 
besondere, oft schwierige TJebung der Aufmerksamkeit no¬ 
ting ist, um dergleichen wahrzunehmen. Ich erinnere an 
die Doppelbilder, die Erscheinungen des blinden Flecks- 
So ist uns ein gewisser zusammengesetzter Ton das aus¬ 
reichende sinnliche Zeichen für die Anwesenheit eines ge¬ 
wissen tönenden Körpers, und insofern von Interesse. Die 
Art seiner Zusammensetzung dagegen interessirt erst den 
Physiker, und dieser mufs für die Wahrnehmung der Ober¬ 
töne seine Aufmerksamkeit in ähnlicher Weise künstlich 
unterstützen, wie für die Wahrnehmung der Doppelbilder 
und des blinden Flecks. Ich finde, dafs für die Wahr¬ 
nehmung der Obertöne keineswegs ein besonders geübtes 
musikalisches Gehör nöthig ist, denn es hören sie auch 
Personen von geringer musikalischer Ucbung, wenn mau 
nur passende Mittel an wendet, ihre Aufmerksamkeit auf 
den Ton zu lenken, der gehört werden soll. Ein geübtes 
musikalisches Ohr hat nur den Vorzug zu wissen, wie die
        

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