Bauhaus-Universität Weimar

498 
tigkeit des Hörnerven zuzulassen schienen, so glaubte ich 
es nützlich den genannten Gegenstand einer neuen Unter¬ 
suchung zu unterwerfen. Dabei fand ich eine neue bisher 
unbekannte Klasse von Combinationstönen, welche in die 
bisherigen Theorien nicht hineinpafste; ich fand, dafs es 
auch objective Combinationstöne giebt, welche unabhängig 
vom menschlichen Ohre bestehen, und dafs man endlich 
eine von den bisherigen ganz verschiedene Theorie der 
Combinationstöne geben kann, bei welcher für ihre Erklä¬ 
rung keine besondere Eigenschaft des Hörnerven vorausge¬ 
setzt wird, und welche vollständiger als die bisherigen die 
Thatsachcn umfafst. 
I. Bestimmung der tieferen Combinationstöne von zwei 
einfachen Tönen. 
Die ersten Angaben über die Höhe der im Jahre 1745 
von Sorge entdeckten, später vonTartini weiter unter¬ 
suchten Combinationstöne beziehen sich nur auf den Fall, 
wo das Schwiugungsverhältnifs der beiden primären Töne 
durch zwei um eine Einheit verschiedene ganze Zahlen 
m und »t + 1 ausgedrückt werden kann. In derselben Zeit, 
wo die primären Töne m und m-\-1 Schwingungen voll¬ 
führen, macht der Combinationston eine Schwingung (nicht, 
wie Tartini irrthüinlich behauptete, zwei). Nach der Ana¬ 
logie dieses Falles hatChladni1) die allgemeinere Regel 
ausgesprochen, dafs überhaupt in allen Fällen, wo das 
SchwinguDgsverbältnifs der primären Töne durch zwei re¬ 
lative Primzahlen m und n ausgedrückt werden kann, die 
Höhe des Combinationstons durch die Zahl 1 auszudrücken 
sey. Dieses Gesetz scheint er aber nur aus seiner theore¬ 
tischen Ansicht über die Entstehungsweise der Combina- 
tioustüne gefolgert zu haben. W. Weber2) modificirte 
diefs Gesetz später noch weiter, so dafs es auch auf irra¬ 
tionelle Ton Verhältnisse pafste, und schlofs sich dabei der 
1) Akustik, Leipzig 1802, S. 207. 
2) Diese Ann. B.l. XV, S. 216.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.