Bauhaus-Universität Weimar

1856. ANNALEN JVo. 12. 
DER PHYSIK UND CHEMIE. 
BAND XCIX. 
I. Ueber Combinationstöne; von H. Helmholtz. 
itüLau weifs im Allgemeinen, dafs wenn in derselben Luft¬ 
masse von mehreren tönenden Körpern Schallwellenzüge er¬ 
regt werden, jedes einzige Wellensystem sich so ausbreitet 
und so verhält, wie wenn die übrigen gar nicht vorhanden 
wären. Es findet eine ungestörte Superposition der ver¬ 
schiedenen Wellenzüge in der Luftmasse statt, Andrer¬ 
seits weifs man, dafs auch das menschliche Ohr, gleichzeitig 
von mehreren solchen Schallwellenzügen getroffen, die Fä¬ 
higkeit hat, jeden einzelnen unter ihnen einzeln wahrzu¬ 
nehmen und zu erkennen. Aber das Ohr hört in solchem 
Falle nicht blofs die verschiedenen von den tönenden Kör¬ 
pern erregten Töne, sondern es hört aufser diesen, wenn 
auch schwach, noch andere Töne, die Combinationstöne, 
welche nicht primär von einem der tönenden Körper, son¬ 
dern erst secundär durch das Zusammentreffen zweier pri¬ 
mären Töne entstehen. Da mau der ungestörten Super¬ 
position der Schallwellenzüge in der Luft gewifs zu seyn 
glaubte, hat man die Combinationstöne bisher stets als sub¬ 
jective Erscheinungen aufgefafst, d. h. als solche, die nur 
in der besonderen Weise, wie der Hörnerv die Schallvi¬ 
brationen empfindet, gegründet sind. Sobald es sich darum 
handelt, die fundamentalen Eigenschaften des Hörnerven 
festzustellen, bilden die Combinationstöne einen Gegenstand 
von besonderer Wichtigkeit. Da ich aufserdem fand, dafs 
sowohl in Bezug auf die Thatsacheu noch Zweifel beste¬ 
hen konnten, als auch die bisherigen Erklärungsweisen noch 
nicht eine feste Formulirung klarer Begriffe über die Thä- 
PoggcndorfPs Annal. Bd. XCIX. 32
        

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