Bauhaus-Universität Weimar

über Farbensysteme. 
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Gruppe der Dichromaten kann, wie man sogleich sieht, ein 
absolut scharfer Nachweis der in Frage stehenden Bezie¬ 
hungen nicht oder doch nur für einen Teil des Spektrums er¬ 
bracht werden. Immerhin lassen sich die Dinge relativ einfach 
gestalten, wenn man gewisse Beschränkungen in die Unter¬ 
suchung ein führt. 
Die Frage nämlich, ob Rotblindheit und Grünblindheit 
zwei verschiedene Reduktionsformen des normalen trichro- 
matischen Farbensystems sind, hat offenbar ihre Hauptbedeu¬ 
tung für denjenigen Teil des Spektrums, in dem eben jene 
Farbensysteme sich am schärfsten und beträchtlichsten unter¬ 
scheiden, d. h. für den weniger brechbaren Teil, und glücklicher 
Weise machen sich ja gerade in diesem Teile die „individuellen 
Verschiedenheiten“ noch relativ wenig geltend. Man kann 
jedenfalls bis zur Wellenlänge 550 herabgehen, ohne (vielleicht 
von seltenen Ausnahmefällen abgesehen) eine erhebliche Un¬ 
sicherheit von dieser Seite zu fürchten, und man kann dabei 
doch auf eine sehr scharfe Prüfung des in Frage stehenden 
Verhältnisses rechnen, weil eben in diesem Teile die Kurven 
des Protanopen und des Deuteranopen am meisten charakte¬ 
ristisch auseinander fallen. Ich habe nun die Frage hier zu¬ 
nächst in einer einfachen und ganz direkten Weise in Angriff 
genommen, über welche an anderer Stelle1 bereits kurz berichtet 
wurde, nämlich vermittelst eines von einem Trichromaten und 
je einem Dichromaten des einen und des anderen Typus zu¬ 
sammen auszuführenden Parallelversuches. Zweck desselben 
war, zu prüfen, ob für die Vergleichung homogener Lichter 
mit Mischungen aus Rot (670,8) und Gelbgrün (550 ^/z) der 
Satz Gültigkeit hat, dafs eine für den Trichromaten zutreffende 
Mischungsgleichung von beiden Dichromaten als richtig an¬ 
erkannt wird, und umgekehrt, ob, mit anderen Worten, zwei 
Lichter für das trichromatische Sehorgan den gleichen Reiz 
dann darstellen, wenn sie sowohl für das Sehorgan des Prota¬ 
nopen als für das des Deuteranopen von gleichem Reizwert 
sind. Die Gültigkeit dieses Satzes läfst sich bei dem damals 
eingeschlagenen Wege in der That mit sehr frappierender 
Anschaulichkeit demonstrieren. Das Verfahren geht davon 
aus, dafs die Dichromaten Gleichungen zwischen dem horno- 
1 Centralbl.f. Physiol. 1896. S. 148. 
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