Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Akademische Ansprache. Antwort auf die in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 30. Juni 1892 gehaltene Antrittsrede des Hrn. Dames
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28728/2/
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Akademische Ansprachen. 
und die Gano'iden, die Zeuglodonten werden immer an 
die Hingebung und den siegreichen Erfolg erinnern, wo¬ 
mit einer unserer größten Toten sich daran beteiligte. 
Ich rede nicht von den Forschungen im weiten Gebiete 
der fossilen Wirbellosen, welchen ein unter uns Wei¬ 
lender sein Leben gewidmet hat. 
In dieser Bahn, Herr Dames, ist Ihnen nun weiter 
fortzuschreiten vergönnt. Aber wenn schon früher die 
Geologie, im Raum nach allen Richtungen ausschauend, 
in der Zeit von der negativen zur positiven Unendlich¬ 
keit hinweisend, alle Naturwissenschaft umfassend, für 
unsere Weltansicht grundlegend war, so hat sie ihre 
volle Bedeutung doch erst in unseren Tagen erlangt. 
Seit Lyell und Darwin die Schranken niederwarfen, 
welche für Cuvier und Johannes Müller die Abstam¬ 
mungslehre verschlossen, seit aus der Geologie die Kata- 
klysmen, aus der Paläontologie die Schöpfungsperioden 
verschwanden, gibt es kaum noch eine größere Aufgabe 
als die, welcher Sie, Herr Dames, so glücklich sind, Ihre 
rüstige Kraft zuwenden zu können. Die großsinnige 
Freigebigkeit eines Mitgliedes der Akademie hat Ihnen 
schon vor längerer Zeit möglich gemacht, an einem der 
wunderbarsten Denkmäler der Vorwelt, dem jurassischen 
Urvogel, Ihre Hand zu bewähren. Nicht leicht wird ein 
so dankbarer Gegenstand zum zweiten Male Ihrem Scharf¬ 
sinn geboten werden. Aber wie verschwindend klein 
auch der unermeßlichen Fülle von Fragen gegenüber 
die Antwort bleibe, jeder Schritt wird uns dankenswert 
erscheinen, durch den es Ihnen gelingt, um in Lyell’s 
Gleichnis zu reden, ein ausgerissenes Blatt im paläonto- 
logischen Archiv zu ergänzen, ein unleserliches zu ent¬ 
ziffern. An Stelle der willkürlichen und schwankenden 
Analogien, die sich gern in der Phylogenie breit machen, 
strenge Verbindung paläontologischen Tatbestandes mit 
vergleichend anatomischer Einsicht, das ist was wir von 
Ihnen erwarten, wie es das ist, was Sie uns versprechen. 
Sie haben uns soeben den wohlüberlegten methodischen 
Kunstgriff entwickelt, mit dessen Hilfe Sie sich sicherer, 
als auf dem bisher versuchten Wege, dem phylogene¬ 
tischen Ziele zu nähern hoffen. Indem ich Sie in unserem 
Kreise herzlich willkommen heiße, kann ich Sie zugleic
        

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