Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Viertes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28713/82/
76 
wohl zu beachten, weil er uns lehrt, dass in solchen Fällen zwei übereinander 
liegende Schichten der Wurzelhaube zusammen einer Kappe angehören, die dann 
also zweischichtig ist. In diesem Falle gibt die Zahl der auf einem Längsschnitte 
zu beobachtenden kappenförmigen Schichten nicht zugleich auch die Zahl der in 
der Scheitelzelle erfolgten Quertheilungen, sondern es ist diese um die Hälfte kleiner. 
Nach dem Auftreten der eben beschriebenen Quertheilung, oder wo diese 
nicht vorkommt, unmittelbar nach der Bildung der acht Zellen geschieht die 
weitere Zellvermehrung in der Regel nur mehr durch Längswände. Fast ohne 
Ausnahme wird zuerst jede der vier tieferen im Centrum der Schicht zusammen- 
stossenden Zellen in eine äussere und eine innere Zelle getheilt. Wir erhalten 
auf diese Weise 4 innere und 8 äussere Zellen. Erstere theilen sich häufig 
nicht weiter durch Längswände, und wir erkennen sie in ihrer quadratischen 
Stellung auch noch auf Querschnitten, die weit von dem Vegetationspunkte ent¬ 
fernt sind (Taf. XII Fig. 2, m, m). 
Nach der Bildung dieser 4 centralen Zellen, seltener vor ihrer Entstehung, 
treten in den 8 peripherischen Zellen nach innen verlaufende Längswände auf, 
die sich entweder schief oder unter rechten Winkeln an die Seitenwände ansetzen 
und die äusseren Kanten als Zellen abschneiden. 
In Bezug auf das weitere Auftreten der tangentialen und radialen Längs¬ 
wände lässt sich kein bestimmtes Gesetz mehr erkennen und wir begegnen in 
der Wurzel derselben Pflanzenart mannigfachen Verschiedenheiten. Hie und da 
bilden sich auch, besonders zunächst der Längsachse, noch Quertheilungen, welche 
dann zugleich mit einer vorwiegenden Längsstreckung der Zellen die mehr oder 
minder zugespitzte Form der Wurzelhaube bedingen. Die Kappe ist in solchen 
Fällen in der Mitte mehrschichtig. 
Die den oberflächlichen Schichten der Wurzelhaube angehörigen Zellen ver¬ 
dicken ihre Aussenwände, die dann in Wasser und noch mehr in Kali sehr 
stark aufquellen. Nach und nach trennen sich diese Zellen aus ihrem Verbände 
und werden entweder in Gruppen oder einzeln abgestossen. 
Was die Lage der ersten in der primären Kappenzelle auftretenden Theil— 
ungswand gegen die drei Seitenflächen der Scheitelzelle betrifft, so scheint kein 
bestimmtes Gesetz zu bestehen, in dem sie weder zu einer derselben parallel 
ist, noch auf ihr senkrecht steht. Konstant jedoch ist die gegenseitige Lage 
dieser ersten Theilungswände in zwei aufeinanderfolgenden Kappen, indem die¬ 
selben nie Übereinanderfallen, sondern um 45 Grade von einander abweichen, 
demzufolge also auch die 4 quadratischen Zellen zweier successiver Kappen 
immer genau alterniren. 
Das Längenwachsthum des Wurzelkörpers, insoweit es durch 
Theilung der Scheitelzelle vermittelt wird, geht in der Weise vor sich, dass die 
in spiraliger Folge auftretenden Scheidewände der Reihe nach den Seitenflächen 
parallel sind. Diese Spirale zeigt weitaus am häufigsten Rechtsdrehung und nur 
in wenigen Fällen Linksdrehung. Letztere finden wir ausnahmslos in den Wurzeln 
von Equisetum hiemale, während wir sie in den Wurzeln der Farne nur 
als Ausnahme bei solchen Arten finden, die sonst rechlsläufige Spiralen zeigen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.