Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Viertes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28713/55/
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indess das fernere Wachsthum des Stengels die Divergenzen vermindert, so ist 
es sehr wohl möglich, dass dieser Process bereits begonnen hatte, und dass daher 
die Divergenzen früher noch grösser waren und den gewöhnlichen von 137° nahe 
kamen. 
Die äussere Blattspur (in den Stengelkanten) weicht von der ursprünglichen 
Blattstellung in der Terminalknospe um 15° für jedes Internodium ab. Wenn man 
die Blätter in diese ursprüngliche Stellung versetzt, so haben die Kanten einen 
schiefen, mit der Blattspirale homodroinen Verlauf. In Fig. 7 sind auf der flach¬ 
gelegten Stengeloberfläche die Blattinsertionen (0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8) mit der 
Divergenz 3/8 angeordnet; die Linien b, c, d zeigen den Verlauf der Kanten. — 
Nun sind aber die Kanten in einiger Entfernung von der Spitze vertical. Es hat 
also eine Drehung des Stengels, antidrom zur Blattspirale, stattgefunden, welche 
immer von einem Knoten bis zum folgenden 15° ausmacht. — Weiter abwärts 
(an den sich verlängernden Internodien) zeigen die Kanten oft eine schrauben¬ 
förmige Drehung, die von der frühem unabhängig ist. Bei südwestlicher Blatt¬ 
spirale wurde südwestliche und südöstliche, bei südöstlicher Blattspirale ebenfalls 
südwestliche und südöstliche Drehung der Kanten beobachtet. 
Von den 3 Blattspursträngen geht der mediane (Fig. 2, a, a, a) mitten an 
einer Seite des 3kantigen Stengels durch 5 ganze Internodien nach unten, und 
vereinigt sich dann im 5. untern mit dem Medianstrang des 3. untern Blattes 
(lia mit 8a, 10a mit 7a, 9 a mit 6a etc.). Oben im 3. untern Internodium 
beträgt sein Abstand von dem dortigen Medianstrang 27—33°. Daraus ergibt 
sich, dass der Verlauf der innern Blattspur weder mit der Blattstellung in der 
Knospe noch mit der Blattstellung und der äussern ßlattspur an dem entwickelten 
Stengel übereinstimmt. In der Knospe beträgt die Divergenz 135°, am entwickel¬ 
ten Stengel 120°; die Divergenz, gemessen durch die Medianstränge an der er¬ 
wähnten Stelle, wäre —° 27 = 129° oder —— —131°. DerMe- 
o o 
dianstrang weicht also durch die 3 ersten Internodien auf jedes einzelne im Mit¬ 
tel berechnet, von der Blattstellung in der Knospe um 5°, von den Stengelkanten 
um 10° ab. Die schiefe Neigung der Medianstränge ist mit der Blattspirale und 
der äussern Blattspur homodrom ; sie haben übrigens einen krummlinigen Verlauf, 
indem sie bis dahin, wo sie sich ansetzen, ein S bilden (Fig. 2). 
Der kathodische Lateralstrang (Fig. 2, b, b, b) geht innerhalb einer Stengel¬ 
kante durch ein Internodium und vereinigt sich im nächsten Knoten mit dessen 
anodischem Lateralstrang (11b mit 10 c, 10 b mit 9 c etc.). 
Der anodische Lateralstrang (Fig. 2, c, c, c) geht innerhalb einer andern Sten¬ 
gelkante durch 2 Internodien und spaltet sich im 2. Knoten in 2 Schenkel (n, 
o in Fig. 1 und 2). Der eine derselben (o) wendet sich, anodisch abbiegend, 
gegen die Mitte der Seite, an welcher das 2. untere Blatt steht, dessen Median¬ 
strang er durch 2—3 Internodien begleitet und dann sich mit ihm vereinigt. Der 
andere (n) bleibt innerhalb der nämlichen Stengelkante, und vereinigt sich nach 
3 Internodien mit dem homologen Schenkel des anodischen Lateralstranges vom 
3. untern Blatt. 
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