Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Viertes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28713/201/
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sondern hie und da in ein lockeres Fasergeflecht aufgelöst. Die äusseren Con- 
turen der Fasermembranen sind auch in den dichten Partien immer noch er¬ 
kennbar; die Trennung derselben *bei Anwendung von Druck findet in der 
Berührungslinie statt. 
Die beiden untersuchten Exemplare, das eine bei Nyborg in Finnmarken 
von Th. Fries, das andere in den Sudeten von Korber gesammelt, verhielten 
sich gleich. 
Nachtrag. 
Die Entscheidung darüber, ob und inwieweit die Annahme einer auf Ver¬ 
wachsung parasitischer Pilze mit Algen beruhenden Thallusbildung gerechtfertigt 
sei, bleibt weitern Untersuchungen Vorbehalten. Nachdem jedoch die Möglichkeit 
eines solchen Vorganges und in einzelnen Fällen sogar die Wahrscheinlichkeit 
desselben nicht mehr bestritten werden kann, drängt sich jetzt schon die Frage 
auf, ob nicht vielleicht sämmtliche Flechten in dieser nämlichen Weise entstehen: 
ob die Gonidien nicht durchgehends als typische Algen und die farblosen Zell— 
fäden als Pilzhyphen zu betrachten seien, welche von jenen die zum Aufbau 
des Thallus erforderliche Nahrung beziehen. So wie die Dinge gegenwärtig 
stehen, lässt sich sowohl für als gegen eine solche Auffassung Mancherlei an¬ 
führen, und das Urtheil des Einzelnen wird je nach dem Gewicht, das er den 
betreffenden Thatsachen beilegt, verschieden ausfallen. 
Für die Annahme einer Parasitenwucherung lässt sich geltend machen: 
1) dass bis jetzt die genetische Beziehung der Gonidien zu den Faserzellen 
nirgends direct nachgewiesen, sondern stets nur aus anatomischen Verhältnissen 
erschlossen wurde, der anatomische Zusammenhang aber möglicherweise immer 
auf Copulation beruht. 
2) Dass die Membranen der Gonidien rücksichtlich ihres chemischen Ver¬ 
haltens sich durchgehends von den Fasermembranen unterscheiden, indem erstere 
wie bei den unten bezeichneten Algen, letztere wie bei Pilzen reagiren. 
3) Dass die verschiedenen Gonidienformen mit Bezug auf Bau und Ver¬ 
mehrungsweise ebensovielen Typen einzelliger und Fadenalgen entsprechen, so 
zwar, dass ein isolirtes Gonidium, resp. Gonidiensystem, von der betreffenden 
Alge in vielen Fällen nicht unterschieden werden kann. Diese Algentypen sind: 
a) für die meisten heteromerischen Flechten (Usnea, Bryopogon, Evernia, 
Physcia, Anaptychia, Imbricaria, Parmelia etc.) die Pahnellaceen-Gattung 
Cystococcus Näg. (C. humicola und dessen Verwandte); 
b) für einige andere heteromerische Flechten die Palmellaceengattung Pleuro- 
coccus Menegh (P. vulgaris und verwandte Formen); 
c) für Roccella die Gattung Exococcus Näg. Manuscript. 
d) für die Omphalariaceen, sowie für die übrigen Flechten mit blaugrünen 
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