Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Viertes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28713/189/
183 
(sogenannte Schnüre oder Ketten) gruppirt sind, indem sie sich stets nur 
durch Scheidewände theilen, welche die Längsachse der Kette rechtwinklig 
schneiden. Die einen der hieher gehörigen Gattungen besitzen, wie bekannt, 
eine parenchymatische Rinde; die andern sind rindenlos. Von diesen letztem 
bilden L ein p hole mm a und Plectopsora (Arnoldia), weil sie durch das häu¬ 
fige Vorkommen von sog. Copulationszeilen, d. h. von mit Faserästen copu- 
lirten und in Folge dessen eigentümlich ausgebildeten Gonidien sich auszeichnen, 
eine besondere Gruppe. 
1. Thallus berindet: Leptogieae. 
Mallotium Fw. Leptogium Fr. Obryzum Wallr. 
Der Thallus ist ober- und unterseits mit einer parenchymatischen Rinde be¬ 
kleidet, die gewöhnlich aus einer einzigen Zellschicht besteht (Taf. XXIII Fig. 1). 
Dieselbe ist zuweilen schon in der Marginalregion vollständig ausgebildet, zieht 
sich also auf Durchschnitten in C förmigem Bogen um die Krümmung des Randes 
herum, wie man diess auch bei Stic ta, Nephroma und andern Gattungen 
beobachtet. In andern Fällen erscheint dagegen der Thallusrand noch deutlich 
fibrös und die Umwandlung des peripherischen Fasergeflechtes zu einem diinn- 
wandig-parenehymatischen Rindengewebe beginnt erst in einiger Entfernung von 
demselben. Die Untersuchung der Uebergangsstellen auf Durchschnitten und 
Flächenansichten ist in diesem Falle besonders instructiv, indem sie uns Auf¬ 
schluss gibt über die Art und Weise, wie die Verästlungen der Fasern in ein¬ 
ander greifen. Ist es auch nicht möglich, die einzelnen Rindenzellen als Glieder¬ 
zellen bestimmter Fasern zu deuten und auf diese Weise das zierliche Zellennetz 
in verästelte Zellreihen zu zerlegen, so gelingt es doch, sich wenigstens im All¬ 
gemeinen von der Richtigkeit der eben ausgesprochenen Ansicht, dass das Rin¬ 
dengewebe durch die an der Oberfläche stattfindenden Verästlungen der Fasern 
gebildet werde, zu überzeugen. Ja es lassen sich sogar einzelne Rindenfasern 
durch Quetschen des Präparates (nach Erhitzen in Kali) isoliren; man sieht als¬ 
dann deutlich, wie dieselben sich nach innen in die zarten Markfasern, deren er¬ 
weiterte Enden sie sind, fortsetzen und wie sie an der Oberfläche eine Strecke 
weit (so weit sie nämlich aus grossen dünnwandigen Zellen bestehen) in tangen¬ 
tialer Richtung verlaufen. 
Bei alledem lässt sich indess der strikte Beweis, dass das intercalare Wachs¬ 
thum des Rindenparenchyms bloss durch Quertheilung und Verästlung der Faser- 
zelien bedingt werde, folglich eine Längstheilung nie vorkomme, nicht führen, und 
es stützt sich die Annahme, dass die für die Flechten sonst allgemein gültigen 
Gesetze der Gewebebildung auch hier noch Geltung haben, nur auf die Analogie. 
Wenn die peripherischen Verzweigungen der Fasern, statt sich in der ange¬ 
gebenen Weise umzuwandeln, in Prolificationen auswachsen , so bleiben natürlich 
die entsprechenden Stellen rindenlos. Ist die Zahl der Prolificationen sehr gross, 
so kann die Entwicklung der Rinde auf der obern Seite des Thallus auch voll-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.