Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Viertes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28713/186/
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statten. Es lässt sich diess aus dem Umstande folgern, dass die Gruppen oder 
Ketten, die durch die wiederholte Theilung sich bilden, schon in unmittelbarer 
Nähe des Randes aus einer grossem Zahl von Zellen bestehen, und dass kleine 
Prolificationen von 40—80 Mik. Diameter nicht selten ein nostocartiges Aus¬ 
sehen erhalten, indem die spärlich vorhandenen Fasern von den zahlreicheren 
Gonidien fast ganz verdeckt werden. 
Ueber die Entwicklung der Gallertflechten aus der Spore habe ich 
selbst, nachdem alle meine Keimungsversuche mit Sporen heteromerischer Flechten 
erfolglos geblieben, keine Beobachtungen angestellt. Was de Bary*) hierüber 
mittheilt, reicht gerade aus, um zu zeigen, dass die Entwicklung in gleicher 
Weise, wie in andern bekannten Fällen, mit dem Auswachsen der Spore in ver¬ 
ästelte Zellfäden beginnt — weiter sind auch seine Versuche nicht gediehen. 
Unsere Kenntnisse über den Verlauf des Lebens von der Spore bis wieder zur 
Spore beschränken sich demnach fast ausschliesslich auf die Gonsequenzen, welche 
sich aus den anatomischen und Wachsthums Verhältnissen des ausgebildeten Thallus 
ziehen lassen, und diese Consequenzen fallen nothwendig verschieden aus, je 
nachdem man einen genetischen Zusammenhang zwischen Gonidien und Fasern 
annimmt oder nicht. Besteht dieser Zusammenhang, so verhalten sich die Gal¬ 
lertflechten rücksichtlich ihrer Entwicklungsweise im Wesentlichen wie nach der 
gewöhnlichen Annahme die heteromerischen : die keimende Spore treibt verästelte 
Zellfäden, diese erzeugen früher oder später die ersten Gonidien und legen damit 
den Grund zum Aufbau des Thallus, der Thallus aber kehrt mit der Bildung der 
Sporen zum Ausgangspunkt zurück. Eine genetische Beziehung zu den Nosto- 
caceen oder Chroococcaceen ist in diesem Falle im höchsten Grade unwahrschein¬ 
lich; denn man könnte sich die verschiedenen Formen der letztem jedenfalls nur 
als von den Mutterpflanzen getrennte Gonidien denken, welche selbstständig fort¬ 
zuleben im Stande wären, ohne sich je wieder zu Gallertflechlen auszubilden — 
ein Verhältnis, für welches im ganzen Pflanzenreich auch nicht ein einziges 
Beispiel bekannt ist. Sowohl Zellen als Zellcornplexe, welche sich von der Mutter¬ 
pflanze abgelöst haben, gehen immer, so weit die Beobachtungen reichen, ent¬ 
weder zu Grunde, oder sie entwickeln sich (direkt oder indirekt) zu einer Pflanze 
gleicher Art. — Dass aber bei den Nostocaceen und Chroococcaceen von einer 
Entwicklung zu Gallertflechten, die natürlich nothwendig mit der Bildung von 
Faserzellen beginnen müsste, keine Rede sein kann, betrachte ich als sicher; ich 
stehe nicht an, mit aller Entschiedenheit zu behaupten, dass die Angaben der¬ 
jenigen Beobachter, welche ein Auswachsen der Gonidien in Fasern gesehen 
haben wollen, auf Täuschung beruhen.**) 
*) Hofmeister, Handbuch der physiol. Bot. II pag. 264. 
**) Bei dem oben erwähnten anatomischen Zusammenhang zwischen Gonidien und 
Fasern sprechen schon die Formverhältnisse durchaus gegen die Annahme, dass hier die 
Fasern aus den Gonidien entstanden sein könnten, abgesehen davon, dass sich erstere oft 
weithin verfolgen lassen und dass man in der Pulpa freie Faserenden (Scheitelzellen) 
hiebei niemals beobachtet.
        

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