Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Viertes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28713/174/
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Wachsthumsweise kommt aber nur bei den Algen vor, sie ist von derjenigen der 
Flechten principiell verschieden. Man kann daher geradezu sagen, die von Bornet 
gegebene Abbildung stelle eine Alge mit einem Flechtenapothecium dar — eine 
Mittelstufe, die à priori einige Bedenken erregt. Auf der andern Seite erscheint 
die von Stizenberger und Hepp ausgesprochene Ansicht nicht hinlänglich be¬ 
gründet; sie stüzt sich bloss auf die Analogie und den bekannten mikroskopischen 
Habitus der sterilen Pflanze und lässt sich überdiess kaum auf die Pycniden 
ausdehnen. 
Ich hoffe, diese Widersprüche durch die folgende Darstellung der Verhält¬ 
nisse gelöst und den endgültigen Nachweis geleistet zu haben, dass Ep hebe 
pubescens, sofern es überhaupt eine selbstständige Pflanze ist, zu den Flechten 
und nicht zu den Algen gehört. — Die Pflanze, die ich untersuchte, ist ein 
fructificirendes Nylander’sches Originalexemplar, das mir von Herrn Arnold freund- 
lichst mitgetheilt wurde. 
Beobachtet man die Thallusenden bei mässiger Vergrösserung in Wasser, so 
scheinen sie im Allgemeinen mit den oben erwähnten Abbildungen übereinzu¬ 
stimmen. Die Scheitelregion besteht in der Regel aus einer einfachen Zellreihe, 
einer Scheitelzelle und darauf folgenden Gliederzellen, ln den letzteren treten 
in grösserer oder kleiner Entfernung vom Scheitel zunächst Längswände, dann 
quer und schief verlaufende Wände auf, worauf die Theilung nach verschiedenen 
Richtungen fortschreitet. — Kocht man jedoch die Thallusenden in Kali, so er¬ 
leidet das Bild wesentliche Veränderungen. Die oben erwähnte Zellreihe erscheint 
jetzt umschlossen von zarten Fasern, welche auf der Aussenfläche der Zellen 
von unten nach oben verlaufen und wovon die längsten (2—5 oder auch 6—10 
und darüber) bis zur Scheitelzelle hinaufsteigen, oft sogar über derselben zu¬ 
sammen neigen (XXIII, 15). Diese Fasern sind deutlich gegliedert, die einzelnen 
Zellen 8—10 Milt, lang und in einiger Entfernung vom Scheitel hie und da ver¬ 
zweigt. Je weiter wir nach unten fortschreiten, desto grösser wird ihre Zahl, 
desto unregelmässiger der Verlauf. An Zweigen, die c. 40 Milt. Dicke erreicht 
haben, beobachtet man bei höchster Einstellung bereits ein förmliches Netz von 
Fasern, die sich in den verschiedensten tangentialen Richtungen kreuzen und 
verflechten, so dass der ursprüngliche longitudinale Verlauf oft kaum noch der 
vorherrschende genannt werden kann. Dabei treten die Verästlungen verhält- 
nissmässig häufiger auf; einzelne Faseräste dringen schon frühzeitig (beispielweise 
bei einem Abstand von 45 Mik. vom Scheitel, bei weniger schlanken Enden oft 
schon in unmittelbarer Nähe der Spitze) zwischen die grösseren, aus der cen¬ 
tralen Reihe hervorgegangenen Theilzellen ein und wachsen dann in vorherrschend 
longitudinaler Richtung weiter. 
Wir begegnen also auch hier schon in der Stammspilze den nämlichen zwei 
Zellformen, welche überhaupt das Flechtengewebe charakterisiren: den Fasern 
und Gonidien. Denn dass die grossem centralen Zellen wirklich als Gonidien zu 
betrachten sind, ist nach ihrem Verhallen im ältern Thallus über jeden Zweifel 
erhaben. Das Eigenthiimliche derselben besteht nur darin, dass sie in der Schei¬ 
telregion sich nach einem andern Gesetze theilen, als weiter unten im Thallus,
        

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