Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Viertes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28713/101/
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Gegen die Annahme, dass die gleichschenklige Scheitelzelle sich durch eine 
mit der einen Seite parallele Wand theile, sprechen die Zeichnungen Hof¬ 
meisters selbst und ebenso unsere Beobachtungen, nach denen die Theilungs- 
wand in ihrer Richtung merklich von der Seitenwand der Scheitelzelle abweicht. 
— Gegen diese Annahme sprechen ferner die so sehr übereinstimmenden 
Winkelmessungen Hof meist er’s. Bei der supponirten Gestaltsveränderung der 
Scheitelzelle müsste nämlich während ihres Wachsthums ein Winkel von 41 32 
zu 69° 14y sich erweitern und ein anderer von 69° 14y zu 41° 32y sich verengern. 
Es müssten demnach verschiedene Scheitelzellen auch ganz verschiedene Winkel¬ 
messungen ergeben. — Jene Annahme würde überdem die gewiss unwahr¬ 
scheinliche Folge haben, dass die eine (Zweitälteste) Wand der neuen Scheitelzelle, 
damit diese wieder ihre normale Grösse und Gestalt bekomme, sich nahezu auf 
das Doppelte verlängern müsste, während die andere (jüngste) Wand gar nicht 
wachsen könnte. — Endlich sind die Consequenzen für das Wachslhum und die 
Verschiebungen der die Scheitelzelie umgebenden Segmente nahezu als unmöglich 
zu bezeichnen, wie die Construction deutlich zeigt.*) 
Es scheint uns weder ein thatsächlicher, noch ein theoretischer Grund vor¬ 
handen zu sein, welcher die Annahme verböte, dass die gleichschenkligen Scheitel¬ 
zellen mit ihrer Aussenfläche in demselben Maasse wachsen, als es die Zunahme 
der Zonen überhaupt bedingt. Die drei Seiten würden somit nahezu gleichmässig 
sich vergrössern und die Gestalt der Zelle (von oben angesehen) fast dieselbe 
bleiben. Denn wenn auch das ungleiche Zonenwachsthum etwas giössere 
Störungen bedingt, als bei den gleichseitigen Scheitelzellen, so könnte es doch, 
selbst wenn ganz extreme Fälle angenommen werden, einen Winkel nicht mehr 
als um höchstens 3 — 4° verändern; und diess müsste sich dadurch ausgleichen, 
dass die entstehende Wand um fast ebensoviel von der Richtung abweichen 
würde, die sie sonst bei vollkommen gleichmässigem Wachsthum der Scheitelzelle 
gezeigt hätte. 
Da die thatsächlichen Beobachtungen wegen des raschen Anwachsens der 
Segmente so spärliche und wenig brauchbare Daten über die Theilung und das 
Wachsthum der gleichschenkligen Scheitelzellen des Farnenstengels an die Hand 
geben, so kann, wie diess auch von Hofmeister geschehen ist, die Blattstel- 
lung mit berücksichtiget werden, da es wahrscheinlich ist, dass die Blätter in 
ihrer Stellung den Segmenten entsprechen. Nehmen wir die Angaben Hofmei¬ 
sters betreffend die Form der Scheitelzellen bei den Farnen als richtig an, und 
*) Die einzig- richtige Construction scheint uns die zu sein, dass man die Scheitelzelle 
vor dem Wachsthum mit den umgebenden Zellen, wie sie in der Natur wirklich Vor¬ 
kommen, zeichnet, dass man dann in einer zweiten Figur die in der angegebenen Weise 
vergrösserte und in ihrer Form veränderte Scheitelzelle mit der gleichen Zahl und Anord¬ 
nung der umgebenden Zellen aufträgt, und auf diese Weise die Veränderungen prüft, 
welche die letztem nothwendig erfahren müssen. Die Construction Hofmeister’s 
(Taf. VII, Fig. 20) ist uns theilweise unverständlich, und entspricht jedenfalls nicht der 
geometrischen Aufgabe.
        

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