Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Drittes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28711/186/
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keineswegs der Durchmesser der letzteren ab. Somit bestätigt sich auch hier das 
Gesetz, dass das intercalare Wachsthum an der Flächenzunahme des Thallus 
einen weit grossem Antheil habe, als das Marginalwachsthum. 
Die Gruben auf der Unterseite des Thallus sind übrigens noch in anderer 
Beziehung von Interesse. Die parenchymatische untere Rinde ist nämlich in der 
ganzen Ausdehnung derselben unterbrochen und folglich das dichtfilzige Mark¬ 
gewebe blossgelegt. Das letztere bildet nun freilich wieder eine Art Rinde, d. h. 
ein interstitienloses kleinzelliges Fasergeflecht, das jedoch auf den ersten Blick 
durch seine ganz verschiedene Physiognomie gegen das schöne Parenchym der 
primären Rindenschicht absticht (Fig. 15 rechts). Dieses eigentümliche Verhalten 
erinnert unwillkürlich an die Cyphellen und weissen Flecken der Gattung Stic ta, 
und es liegt die Vermutung nahe, es möchten vielleicht beide Gebilde im Leben 
der Pflanze die nämliche Rolle spielen. 
Einen weitern Anhaltspunkt zur approximativen Bestimmung des intercalaren 
Wachstums bieten die abgestorbenen Gonidien. Dieselben waren bei den unter¬ 
suchten Exemplaren nicht bloss im centralen Theil des Thallus, sondern auch in 
unmittelbarer Nähe des Randes in der ganzen Dicke der oberen Rinde zerstreut 
(Fig. 17) — ein Beweis, dass das Marginalwachsthum seit längerer Zeit aufge¬ 
hört hatte. Die einzelnen Zellen bildeten hie und da etwas dichtere Gruppen, 
lagen aber doch durchschnittlich so weit auseinander, dass die Annahme eines 
starken intercalaren Wachstums sich von selbst als die einzig befriedigende auf¬ 
drängte, um die ursprüngliche Lagerung in der Gonimonschicht mit diesem spär¬ 
lichen Vorkommen im abgestorbenen Zustande in Einklang zu bringen. 
Dieses intercalare Wachstum bedingt nicht allein eine Ausdehnung des 
Thallus in die Fläche, es ist zugleich auch Dickenwachsthum. Es geht diess 
schon aus dem Umstande hervor, dass die abgestorbenen Gonidien auch in der 
Richtung von unten nach oben, senkrecht zur Oberfläche, weiter auseinander 
liegen als die lebenskräftigen der Gonimonschicht. Damit stimmt denn auch die 
Thatsache überein, dass der Thallus trotz des Verlustes, den er durch das Ab¬ 
sterben der oberen Rinde fortwährend erleidet, in der Nähe der Haftscheibe be¬ 
trächtlich dicker ist als am Rande, indem er hier z. B. bloss '/7 dort 7? eines 
Millimeters misst. 
Da die zersetzende Wirkung der Atmosphäre, wodurch das abgestorbene 
Rindengewebe fortgeführt, ja möglicher Weise das Absterben selbst bedingt wird, 
auf den verschiedenen Punkten der Oberfläche ungleiche Widerstände findet, so 
erscheinen auf Durchschnitten die Umrisse der Rindenschicht sehr unregelmässig. 
Sie springt hie und da zackenförmig vor und zeigt an andern Stellen tiefe Ein¬ 
schnitte. Ebenso verhält sich übrigens auch die untere Rinde, und es muss daher 
die Frage gestellt werden, ob auch hier ein alhnähliges Absterben von unten 
nach oben und ein entsprechender Ersatz durch intercalares Wachsthum stattfinde ? 
Diesen Punkt mit Sicherheit zu entscheiden, war mir nicht möglich. Der Rand der 
Rinde sieht allerdings stellenweise so aus, als ob eine Verwitterung stattgefunden 
hätte, doch wage ich nicht, auf dieses blosse Aussehen hin weitere Schlüsse zu grün¬ 
den und betrachte die Frage in Ermanglung besserer Anhaltspunkte als unentschieden.
        

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