Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Drittes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28711/181/
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ungeachtet an der Flächenausdehnung desselben einen weit grösseren Antheil hat, 
als das Marginalwachsthum. 
Rinde 44 - 50 Mik. dick, parenchymatisch, zu¬ 
nächst der Oberfläche mit stärker verdickten Wan¬ 
dungen. (Taf. IX Fig. 9. Schnitt durch die Rinde 
und die Gonidienzone.) 
r. , Rinde 32 - 40 Mik. dick, dünnwandig- 
P. polydactyla llod'iu. | parenchymatisch. 
P malacea Ach. Rinde 24 - 32 Mik. dick, aus 3 - 5 Zellschichten be¬ 
stehend, dUnnwandig-parenchymatisch. Die Oberfläche derselben ist mit einem 
schwachen Tomentum besetzt, welches von dickwandigen, verfilzten Faserfortsatzeil 
gebildet wird, deren Länge hie und da die Dicke der Rinde übersteigt. An den 
Markfasern haften zahlreiche kleine Körperchen, welche nach Zusatz von Kali 
sogleich verschwinden. 
P. aphtosa L. Rinde c. 30 Mik. dick, häufig mit warzenförmigen Prölifi- 
cationen , die aus interstitienlosen, meist undeutlich parenchymatischem Gewebe 
bestehen. 
Peltigera canina L. 
P. horizontalis L. 
Anmerkung, Ueber die Anatomie des Thallus von Peltigera hat bereits Speer- 
schneider (Bot.”Zeit. 1857 p. 521) schätzenswerlhe Untersuchungen veröffentlicht. Die¬ 
selben stimmen in der Darstellung der Lagerung und Structur der Thallusschichten im All¬ 
gemeinen mit meinen Beobachtungen überein, weichen jedoch mit Rücksicht auf die feineren 
anatomischen Details in einigen Punkten von denselben ab. Ich hebe insbesondere fol- 
S 1) Die Rindcnzellcn sind nicht kugelig oder oval, wie sie Speerschneider beschreibt 
und in Fi» 2 der beigegebenen Tafel abbildet, sondern unregelmässig prismatisch, tonnen¬ 
förmig oder cylindriseh mit ehe,.en Endllächcn. Die Zellen der nämlichen Faser sind näm¬ 
lich stets durch Scheidewände mit parallelen Conturen von einander abgegranzt und daher 
auch in der älteren Rinde als solche zu erkennen. Das Gewebe erhalt durch diesen Um¬ 
stand , namentlich wenn die Seitenwandungen der Faserzellcn stark verdickt sind, einen 
eigenthümlichen Habitus, indem die Fasern bald längs, bald quer oder schief geschnitten sind. 
0) Die vermeintliche Verdickungsschicht, welche von der eigentlichen Zellmembran 
nach aussen abgesondert sein soll, ist nichts anderes als der peripherische Theil der Zell¬ 
membran selbst. Dass die innerste Schicht derselben unter dem Mikroskop heller erschein . 
ist eine Folge ihrer grösseren Dichtigkeit. Gewöhnlich beobachtet man übrigens bei stark 
verdickten Fasern der Flechten überhaupt eine ähnliche helle Schicht zunächst der Oberfläche. 
8) Speerschneider will die Bildung der Gonidien an Fadenzellen bei einer Anzahl von 
Lichenen nnd auch bei Peltigera nachgewiesen haben. Bei letzterer sollen sie mdess lan¬ 
ger als gewöhnlich in den Faserzellen liegen bleiben und öfters mit ihnen ausgestreut und 
erst nach deren gänzlicher Zerstörung frei werden. Nach den Zeichnungen zu schlicssen, 
ist die angebliche Faserzelie, in welcher die Gonidien liegen, nichts Anderes als die Mein- 
bran der Mutterzelle, die nach der Theilung der letzteren die Tochterzellen nmschliesst. 
Dass sie aber auf die in der Zeichnung (Fig. 6) angedentete Weise mit den Faserzellen 
in Verbindung stehe nnd ursprünglich selbst eine gewöhnliche Faserzelle gewesen sei, bc- 
ruht jedenfalls auf Täuschung,
        

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