Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Drittes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28711/127/
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wirken, als ob sie aus einaxigen Elementen mit radial-gestellter optischer Axe 
bestände. Sie wird ein orthogonales neutrales Kreuz und auf einem Gypsplätt- 
chen zwei Additions- und zwei Subtractionsquadranten zeigen. Es ist selbst¬ 
verständlich, dass eine solche Kugel unter einer bestimmten Bedingung sich wie 
ein einfachbrechender Körper verhält, wenn sie nämlich aus zweiaxigen Ele¬ 
menten mit radial-gestellter mittlerer Elastizitätsaxe besteht, und wenn der Mit¬ 
telwerth, mit welchem die beiden tangential-gestellten Elastizitätsaxen wirksam 
werden, jener mittlern Axe gleich ist. 
Ich habe angenommen, dass eine der Elastizitätsaxen mit dem Kugelradius 
Zusammenfalle. Eine andere Möglichkeit wäre die, dass die Elastizitätsaxen mit 
demselben schiefe Winkel bildeten, und zwar so, dass um jeden Radius diese 
Winkel nach allen Seiten gekehrt wären. Der Effect der ganzen Kugel wird der 
nämliche sein, wie bei radialer Stellung einer Elastizitätsaxe; sie wird sich so 
verhalten, als ob sie aus einaxigen Elementen mit radial-gerichteter optischer Axe 
bestände. 
ß. Kugel mit einer Axe. 
Der zweite Körper ist eine Kugel, in welcher der innere Bau nicht genau 
der äussern Form entspricht, indem ein Durchmesser von allen übrigen sich un¬ 
terscheidet und als Axe ausgebildet ist. Für diesen Typus, welchen man als 
Rotationskugel unterscheiden kann, muss vorausgesetzt werden, dass alle Meri¬ 
dianschnitte (d. h. die durch die Axe gehenden Diametralschnitte) identisch seien, 
dass alle Durchmesser eines Meridianschnittes mit einander übereinstimmen und 
dass alle Elemente, die auf einem Radius hinter einander liegen, sich gleich ver¬ 
halten. Damit ist zugleich ausgesprochen, dass die Elastizitätsaxen nach den 
Radien und nach der Axe orientirt sind; und zwar soll, wie ich zuerst annehmen 
will, die eine Axe mit dem Radius zusammenfallen, die andern beiden in einer 
Tangentialebene liegen. 
Wenn die Rotationskugel aus optisch - einaxigen Elementen besteht, deren 
optische Axen radial-gestellt sind, so verhält sie sich unter allen Umständen wie 
eine Kugel mit gleichen Durchmessern und ohne Axe (Pag. 117) und wie ein 
liegender Cylinder (Nro. 1 auf Pag. 105), der um einen verticalen Durchmesser 
gedreht wird. Sie zeigt, ihre Axe mag in einer beliebigen Lage zu den Schwin¬ 
gungsebenen der Polarisationsprismen und zur Horizontalebene sich befinden, ein 
orthogonales neutrales Kreuz. Bei Anwendung eines Gypsplättchens sind zwei 
Quadranten mit Additions-, zwei mit Subtractionsfarben versehen. Jeder Punkt 
der Oberfläche bietet genau die gleichen Erscheinungen dar, wie ein analoger 
Punkt des liegenden Cylinders. 
In allen übrigen möglichen Fällen (welche für den Cylinder unter Nr. 2—12 
auf Pag. 106—111 aufgeführt sind) sind die beiden in der Tangentialebene liegenden 
Elastizitätsaxen von ungleicher Grösse. Da dieselben nach den Meridianschnitten 
orientirt sind, so verhalten sich alle übrigen Diametralschnitte ungleich, und die 
Kugel zeigt ungleiche optische Erscheinungen, je nach der Neigung ihrer Axe 
zur Horizontalebene und zu den Schwingungsebenen der Polarisationsprismen.
        

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