Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Zweites Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28709/88/
82 
Sieben successive Stammglieder von Nitelia hyalina (F, G, H, I, K, L, M) 
zeigten folgende Verhältnisse : 
Länge 
in Mill. 
Durchmesser 
in Mill. 
Umfang 
in Mill. 
Umlaufszeit 
in Se cun den. 
yi0 Mill, wird 
durchlaufen 
in Secunden. 
F 14 
0,27 
28,8 
2880 
10 
G 9 
0,3 
19 
1330 
7 
H 7,5 
0,27 
15,7 
628 
4 
I 6 
0,24 
12,6 
315 
2,5 
K 3 
0,2 
6,4 
173 
2,7 
L 0,8 
0,18 
2 
88 
4,4 
M 0,3 
0,17 
0,94 
66 
7 
In den jüngsten Zellen mangelt die Rotation ganz. Dann beginnt sie sehr 
langsam, und nimmt mit dem Wachsthum der Zelle an Schnelligkeit zu bis zu 
einem bestimmten Entwickelungsstadium. Von hier an, obgleich die Zelle noch 
immer fort wächst, wird die Strömung wieder allmälig langsamer. In dem ersten 
Leispiel ist die Bewegung in der 2,4 Mill, langen Zelle 2% mal so geschwind als 
in der 0,20 Mill, langen. In dem zweiten Beispiel geht die Strömung in der 
6 Mill, langen Zelle fast 3mal so schnell als in der 0,3 Mill, langen, während 
das 1 4 Mill, lange Glied eine 4mal langsamere Bewegung zeigt. Wird dagegen 
die ganze Umlaufszeit berücksichtigt, so ist dieselbe schon in sehr jungen Zellen 
kürzer als späterhin; sie wird um so länger, je älter die Zelle wird. Da diess 
auch für diejenige Zeit der Lebensperiode gilt, wo die Bewegung an Schnellig¬ 
keit zunimmt, so liegt darin der Beweis, dass die Wachsthumszunahme in einem 
stärkeren Verhältniss erfolgt als die Steigerung der Strömungsgeschwindigkeit. 
— Ich füge noch die Bemerkung bei, dass ich immer nur die oberflächliche Strö¬ 
mung berücksichtigte. 
Göppert und Cohn sagen, die Abnahme der Geschwindigkeit in jüngern 
Zellen scheine mit der vermehrten Reibung einer Flüssigkeitssäule von grösserer 
Tiefe in einem engeren Gefässe zusammenzuhängen. — Hier ist Folgendes zu 
berücksichtigen. Gesetzt auch, das Protoplasma wäre die Ursache der Bewe¬ 
gung, und die Wandung wirkte bloss als Reibungswiderstand, so würde der letz¬ 
tere für die Flächeneinheit proportional der Grösse des senkrechten Druckes sein, 
und er würde zunehmen, wenn der Krümmungshalbmesser der ganzen Rotation 
kleiner wird. Die Tiefe des Stromes aber müsste im entgegengesetzten Sinne wir¬ 
ken, da sie eine grössere Masse und somit eine grössere Summe von bewegender 
Kraft für die Flächeneinheit ergäbe. Diese Erklärung würde aber nicht mit dem 
Factum übereinstimmen, und ich habe oben aus andern Gründen nachgewiesen, 
dass die bewegende Kraft nicht in dem strömenden Protoplasma, sondern in der 
ruhenden Wandung ihren Sitz hat. 
Die Beziehungen zwischen den ursächlichen Momenten der zu- und abneh¬ 
menden Strömungsgeschwindigkeit und den Entwickelungsstadien der Zellen las¬ 
sen sich kaum andeutungsweise behandeln, da weder über die Grösse der Kräfte
        

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