Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Zweites Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28709/20/
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einer Taschenuhr. Die Scbwärmzellen brauchen meistens etwa eine Stunde, die 
schnellsten bloss % Stunde, um den Weg von 1 Fuss zu durchlaufen. Die flin- 
kesten kommen in ihrer Bewegung der Spitze des langen Zeigers einer Uhr gleich, 
deren Zifferblatt 1 % Fuss im Durchmesser hat, und bleiben weit hinter der träg¬ 
sten Schnecke zurück. Ohne Vergrösserung würde man, auch wenn die Pflänzchen 
vollkommen deutlich wären, ihre Bewegung wegen der Langsamkeit nicht sehen. 
Die Infusorien schwärmen kaum schneller als die Pflanzenzellen. Statt von 
der lebhaften thierischen Bewegung der letztem, würde man mit grösserm Hechte 
von der trägen pflanzenähnlichen Bewegung der erstem sprechen. 
Ob die Bewegung eines Körpers uns geschwind oder langsam erscheine, 
hängt aber auch von dem Verhältniss seiner Grösse zu dem in einer bestimmten 
Zeit durchlaufenen Baume ab. Wenn ein Elephant und eine Maus in der näm¬ 
lichen Zeit eine gleiche Wegstrecke machen, so nennen wir den erstem langsam, 
die zweite geschwind. Der Mensch legt im Gehen während 1 Secunde etwas 
mehr als die Hälfte seiner Länge zurück. Die schnellsten Schwärmzellen durch¬ 
laufen in der nämlichen Zeit einen Baum, der 2ys mal so gross als ihr Durch¬ 
messer ist; die Diatomaceen nur den 10. Theil ihrer Länge und kurze Oscillarien- 
fäden bloss den 100. Theil ihrer Länge, lange noch viel weniger *). 
Die Bewegungen der kleinsten Theilchen sammeln sich gruppenweise; die 
Gruppen treten zu hohem Complexen zusammen. Die Totalität aller dieser Be¬ 
wegungen ist die Innenbewegung oder das Leben der Zelle, eine einheitliche 
Erscheinung, welche, wie alles Individuelle, seinen Anfang und sein Ende hat. 
Eine elastische Kugel kann eine Mehrzahl von elastischen Kugeln nach ein¬ 
ander in Bewegung setzen, so dass die Kettenbewegung von der einen auf die 
andere übertragen wird. In gleicher Weise wird die Zelle Element einer ketten¬ 
artig verknüpften Bewegung. Sie trägt ihre Lebensbewegung auf mehrere Tochter¬ 
zellen über. Ein einzelliges Pflänzchen erzeugt 2 oder viele Zellen, die, von 
einander getrennt, die Lebensbewegung der Mutterzelle fortsetzen. — Zwischen 
Kugeln und Zellen besteht eine Verschiedenheit. Die 10 elastischen Bälle, die 
durch einen einzigen in Bewegung gesetzt wurden, besitzen zusammen bloss die 
Bewegungskraft dieses Einen. Von den 10 Zellen, die von einer einzigen abstam¬ 
men, erlangt jede die dieser Einen an Intensität gleiche Bewegung**). 
*) Die Erde legt in 1 Secunde etwa 4 geogr. Meilen zurück, also den 420. Theil ihres 
Durchmessers. 
**) Diese Verschiedenheit ist kein Grund, die beiden Bewegungen nicht als die nämliche 
zu betrachten. Beiden liegt die gleiche Erscheinung zu Grunde, dass nämlich die Bewegung 
eines Körpers sich in einem oder mehreren andern Körpern fortsetzt : beiden ist auch gemein¬ 
sam, dass die Uebertragung in bestimmter gesetzmässiger Weise geschieht. Die übertragene 
Bewegung hat natürlich in dem neuen Körper ursprünglich immer die gleiche Grösse, wie 
in demjenigen, von dem sie unmittelbar herstammt. Aber sie kann mit der Zeit abnehmen 
oder zunehmen, je nachdem vorhandene Bewegungselemente zerstört oder neue hinzugefügt 
werden.
        

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