Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Zweites Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28709/183/
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Zusammenstellung der Gattungen. 
Die strauchartigen Flechten sind mit Ausnahme von Hagenia und der Clado- 
niaceen sämmtlich vollständig umrindet. Die Rinde besteht durchgehends aus 
einem interstitienlosen Fasergeflecht, dessen einzelne Zellen bei stärkerer Verfil¬ 
zung der Fasern verhältnissmässig kurz, bei vorherrschend longitudinalem Verlaufe 
derselben dagegen langgestreckt sind. Das von der Rinde umschlossene und durch 
die Lagerung der Gonidien meist deutlich abgegrenzte Markgewebe ist nur 
bei Lichina in seiner ganzen Dicke interstitienlos, bei allen übrigen Gattungen 
dagegen wenigstens theilweise oder auch ganz lockerfilzig. Die Gonidien sind 
die Endzeilen kleiner (meist zweizeiliger) Seitensprosse, welche durch Auswachsen 
der Gliederzellen (nicht der Scheitelzellen) entstehen; sie vermehren sich durch 
Theilung in 2, 4, 8 und mehr Zellen, nur bei Roccella durch Ausstülpung. Das 
Product der Theilung ist bei Lichina eine vielgliederige Gonidienkette, bei allen 
übrigen Gattungen eine annähernd kugelförmige Gonidiengruppe. Die Gonidien 
als solche sind keine Fortpflanzungsorgane, sie wachsen nie in Fasern aus; auch 
in den Soredien kommt das Vermögen zu keimen nicht ihnen, sondern bloss den 
Fasern zu, welche dieselben umgeben. 
Gattungen. 
A. Fasern der Thallusenden unter sich und mit der Thallusaxe 
parallel. 
TJsneaceae. 
Usnea. Thallus stielrund. Rinde in der Nähe der Spitze parallelfaserig, weiter 
unten ein unregelmässiges, verworrenes Filzgewebe. Mark aus einem cen¬ 
tralen dichtfilzigen Medullarstrang mit vorherrschend longitudinalem Faser¬ 
verlauf und einem peripherischen lockerfilzigen Fasergeflecht bestehend. — 
Mit Soredialästen. 
Bryopogon. Thallus stielrund. Rinde durchgehends parallelfaserig, von ziem¬ 
lich gleichmässiger Dicke. Mark lockerfilzig. 
Cornicularia. Thallus stielrund. Rinde von sehr ungleichmässiger Dicke, aus 
vorherrschend longitudinal verlaufenden, in grösserer Entfernung von der 
Spitze jedoch ziemlich stark verflochtenen Fasern bestehend. Mark locker¬ 
filzig, hie und da bis zur Oberfläche vorspringend. 
B. Fasern der Thallusenden zu einem verworrenen Filzgewebe 
verflochten oder in vorherrschend orthogonal - trajectorischer 
Richtung gegen die Oberfläche verlaufend. 
Ramalineae. 
Cetraria. Thallus kantig - rundlich oder laubartig. Rinde ein unregelmässiges 
Filzgewebe, nur die innere Hälfte zuweilen mit vorherrschend longitudina¬ 
lem Faserverlauf und verlängerten Zellen, das kurzzeilige Rindengeflecht 
häufig mit auffallend grossen Zellhöhlungen. Mark lockerfilzig. 
Nägeli, Beiträge. II. 12
        

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