Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Zweites Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28709/151/
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Die Rinde besteht aus verästelten ,• zeitlebens vorherrschend longitudinal 
verlaufenden Fasern, welche unter sich zu einem dichten (interstitienlosen) Ge¬ 
webe verbunden sind, das in mancher Beziehung an den Medullarstrang von 
Usnea erinnert. Die einzelnen Zellen dehnen sich ebenfalls beträchtlich in die 
Länge, bilden durch Gabelung ihrer Enden ähnliche geschlossene Figuren und 
zeigen dieselbe Vertheilung des Inhaltes (Taf. III. Fig, 11, 12). Nur die ganz 
oberflächlich gelegenen Fasern sind in der Regel kurzzellig, weil hier eine 
wiederholte Theilung der Gliederzellen durch Querwände stattfindet (Taf. III. 
Fig. 13). 
Demzufolge beruht das Längenwachsthum der Rinde fast ausschliesslich auf 
der Streckung der Zellen, welche letztere im älteren Thallus 40 — 60 , in seltene¬ 
ren Fällen 70 — 80 Mik. Länge erreichen. Es ergibt sich hieraus ohne alle Be¬ 
rechnung, dass die Längenzunahme des Thallus auch hier grossentheils durch 
intercalare Wachsthumserscheinungen bedingt wird. 
Betreffend das Dickenwachsthum und die Vergrösserung des Umfanges, be¬ 
schränke ich mich auf folgende Angaben, die sich alle auf B. jubatus beziehen. 
Diameter des Thallus : 
52 
52 
54 290 
360 
Dicke der Rinde : 
14 
23 
’16] 60 | 
90 
530 Mik. 
80 „ 
Der Durchmesser des Thallus beträgt also in der Nähe des Scheitels ungefähr 
.%ö eines Millimeters und erreicht in der Folge das 6—lOfache seiner ursprüng¬ 
lichen Grösse. Die Dicke der Rinde steigt unterdessen von 15 bis auf 60 und 
90 Mik., nimmt also um das 4- bis 6fache, folglich in einem etwas geringeren 
Yerhältniss zu. 
Die Gonidien liegen in zerstreuten Gruppen unmittelbar unter der Rinde. 
Sie entstehen genau in derselben Weise wie bei Usnea, und sind auch hier an¬ 
fänglich dicht zwischen die Fasern eingekeilt. Auf Querschnitten durch die Spitze 
sah ich mehrere Male eine einzige grüne Zelle im Centrum , ringsum dicht von 
Fasern umschlossen oder doch nur auf der einen Seite an ein kleines Interstitium 
grenzend. Andere Male waren es mehrere eckige, offenbar durch Theilung ent¬ 
standene Zellen, welche dicht gedrängt die centrale Höhlung ausfüllten. 
Einmal getrennt, treten die Fasern sehr rasch weiter aus einander, und schon 
einige Mik. unterhalb der ersten Gonidien hat der centrale Hohlraum eine Di¬ 
mension erreicht, welche der Dicke der Rinde gleichkommt oder sie sogar über- 
trifft. Dieser Hohlraum wird zufolge der Entstehung der Gonidien zwischen 
verästelten Fasern schon von Anfang an von einzelnen quer oder schief verlau¬ 
fenden Fasern durchzogen, die die Grundlage des lockeren Markgeflechtes bilden, 
welches später denselben ausfüllt. 
Die Theilung der Gonidien erfolgt nach demselben Gesetze, wie bei Usnea. 
Gruppen von 4 oder 8 Zellen in den verschiedensten Entwickelungsstadien sieht 
man sehr häufig ; auch solche von 9 —-10 oder einer noch grösseren Zahl von 
Zellen habe ich mehrere Male beobachtet. Auch die Soredienbildung beruht auf 
den nämlichen Wachsthumserscheinungen; nur findet die Verästlung der Fasern 
Näg-eli, Beiträge. II. j q
        

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