Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Zweites Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28709/133/
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die Theilzellen trennen sich von einander. Wie sie sich nach ihrer Trennung 
verhalten, ob sie, nachdem sie die gewöhnliche Grösse der Gonidien erreicht ha¬ 
ben, sich wieder theilen, und ob vielleicht dieses Theilungsvermögen auch allen 
folgenden Generationen zukommt, lässt sich durch directe Beobachtung kaum 
entscheiden, da das einzige Merkmal, welches zuweilen primäre Gonidien sicher 
als solche erkennen lässt: das Vorhandensein eines kleinen Anhängsels an der 
Anheftungsstelle des Stieles, oft selbst bei solchen vermisst wird, welche unter 
dem eigenen Auge durch Druck, Verschieben etc. von ihren Stielen losgerissen 
wurden. Dagegen machen es allerdings andere Gründe wahrscheinlich, dass der 
nämliche Theilungsprocess sich unter Umständen nach der Trennung der Theil¬ 
zellen in jeder derselben wiederholt. Diese Frage soll weiter unten noch näher 
erörtert werden. 
In der Mehrzahl der Fälle geht die Theilung noch um eine Stufe weiter, in¬ 
dem jede der 4 Zellen sich wieder theilt. Es entstehen dadurch Gruppen von 
8 Zellen, welche anfänglich die Kugelform der ungetheilten Gonidien beibehalten 
und dieselben auch an Grösse entweder nicht oder nur unbedeutend übertreffen. 
Ihr Durchmesser beträgt bloss 12—16, seltener 18—20 Mik. Die Scheidewände 
sind in der Kegel sämmtlich sehr zart, so dass ein Unterschied in der Dicke nicht 
wahrgenommen wird. Dabei hat die ursprüngliche Form und Lage der Theil¬ 
zellen meistens schon so grosse Veränderungen erlitten, dass ein Schluss auf die 
Entstehungsfolge der Wände nach vollendeter Theilung nicht mehr möglich ist*). 
Nur wenn man den Inhalt der Zellen etwas contrahirt und dadurch auch das In¬ 
nere der Gruppen der Beobachtung einigermaassen zugänglich macht, lassen sich 
einzelne ältere Scheidewände zuweilen daran erkennen, dass sie, weil ursprüng¬ 
lich in der Ebene eines grössten Kreises liegend, in einer Medianlinie der zuge¬ 
kehrten Fläche als tief gegen das Centrum eindringende, mehr oder weniger klaf¬ 
fende Spalten erscheinen, während die später (nach der tetraedrischen Theilung) 
auftretenden Wände, weil sie stets einen grösseren oder kleineren Winkel mit 
dem Radius bilden, nur dann als helle Linien oder Spalten gesehen werden, wenn 
sie auf der zugekehrten Seite des Gonidiums eine ganz bestimmte randständige 
Lage haben. Sind die Gonidien noch mit den Fasern in Verbindung, so ist zwar 
mit der Lage der Stielzelle ein fixer Punct gegeben, in welchem jedenfalls 3 ältere 
*) Bei der Erwägung solcher Thatsachen kommt man unwillkürlich auf den Gedanken, es 
könnten möglicher Weise sämmtliche Scheidewände gleichzeitig entstanden sein. Diese An¬ 
nahme würde dann auch die weitere in sich schliessen, dass diejenigen Gonidien, bei welchen 
wir eine Theilung in 2 oder 4 Zellen beobachten, sich später nicht mehr theilen oder nicht mehr 
getheilt haben würden, dass vielmehr die Zahl der Tochterzellen stets derjenigen der gleich¬ 
zeitig entstandenen Scheidewände entspreche. Ob ein solcher Theilungsvorgang in einzelnen 
Fällen stattfindet, oder nicht, kann ich allerdings nicht entscheiden ; dagegen scheint mir der 
Umstand, dass man zuweilen in Tochterzellen, welche noch genau tetraedrisch gestellt sind, 
schief verlaufende , ungemein zarte Scheidewände bemerkt, die allem Anschein nach jüngeren 
Ursprunges sind (Taf. II. Fig. 9 a, 10a), und dass ferner bei Gruppen von 8 Zellen nicht selten 
gerade die Scheidewände besonders deutlich hervortreten, welche in entsprechender Lage auch 
eine Gruppe von 4 Zellen zukehren würde, das Vorkommen einer Theilung durch successi¬ 
ves Auftreten der Scheidewände ausser Zweifel zu setzen.
        

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