Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Zweites Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm Simon Schwendener
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28709/113/
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dem Zimmer) gerichtet ; rechts und links gingen Aeste ab ; die äussern ziemlich 
unter einem rechten , die innern (obern) unter spitzen Winkeln. Die äussersten 
und innersten dieser Aeste waren un verzweigt oder bloss gabelig, die mittlern 
dagegen mehr oder weniger stark verzweigt und länger. Ausserdem gingen, 
rechts und links neben dieser baumartigen Verzweigung, noch kurze unverzweigte 
Streifen von dem Randstreifen in der Richtung von Radien ab (a — c —b). Das 
Wasser zwischen den baumartig-verbundenen Streifen war hellgrün, nach dem 
Umfange hin hellgelb. 
Diese Anordnung blieb nicht die nämliche, sie veränderte sich während des 
ganzen Tages unaufhörlich, ohne jedoch den baumartigen Character zu verlieren. 
Die Verzweigung wurde aber einfacher und die Streifen länger und stärker. Man 
konnte die einzelnen Zweige und Aeste verfolgen, wie die einen sich verkürzten 
und zuletzt ganz verschwanden, die andern aber an der Spitze sich verlängerten. 
Eine genauere Beobachtung zeigte auch hier, dass die grünen Streifen nicht 
bloss oberflächlich waren. Dort hatten sie zwar ihre grösste Stärke ; aber sie reich¬ 
ten mehr oder weniger tief in das Wasser hinab. Von den stärkern Aesten gingen 
vollständige senkrechte Wände und von den Knoten der schwächeren Verzwei¬ 
gungen senkrechte Stränge bis auf den Grund. Man überzeugte sich davon so¬ 
wohl durch genaue Betrachtung in verschiedenen schiefen Richtungen, als durch 
eine leichte Bewegung des Wassers , wobei die den Boden berührenden Wände 
und Stränge selber in eine schiefe Lage gebracht wurden. — Diese Untersuchung 
konnte nicht fortgesetzt werden. Die weitere Entwickelung der zur Ruhe ge¬ 
langten Schwarmzeiten schien zu zeigen, dass die Pflanze einer von mir schon 
früher in meinen Notizen und brieflichen Mittheilungen als Tachygonium unter¬ 
schiedenen Gattung beizuzählen sei, zu welcher wahrscheinlich auch Protococcus 
mucosus Kütz. gehört. 
Eine ganz ähnliche Beobachtung machte ich im Jahre 1850 an Tetraspora 
lubrica. Wenn das Wasser dicht mit Sch wärmzellen erfüllt und ziemlich grün 
war, so schieden sich rundliche Gruppen mit intensiv grünem Centrum aus. 
War dagegen das Wasser hellgrün, so bildeten sich intensiv grüne schmale Strei¬ 
fen, die bald baumartig, bald mehr netzartig verbunden, bald auch ziemlich 
parallel waren, und deren Richtung in überwiegender Menge von dem Fenster 
nach dem Zimmer ging. Auch hier beschränkten sich die rundlichen Tupfen und 
die Streifen nicht auf die Oberfläche des Wassers, sondern reichten 5 bis 10. Mill, 
tief in dasselbe hinab, indem sie nach unten dünner und heller wurden. 
Ueber die Ursache dieser merkwürdigen Erscheinung weiss ich gar nichts 
beizufügen. Die Bemerkung indess halte ich nicht für überflüssig, dass offenbar 
nicht etwa Bewegungen und Strömungen im Wasser dieselbe veranlassen, son¬ 
dern dass hier noch unbekannte Eigentümlichkeiten der Schwärmzellen im 
Spiele sind, deren Wirkungsweise namentlich von der grossem oder geringem 
Menge derselben abhängt.
        

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