Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Erstes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28708/97/
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welche mit der Blattebene parallel laufen, so folgen an der senkrechten und fast 
geraden Stannnspitze die Blätter von unten nach oben in ununterbrochener Beihe 
auf einander. Während bei andern Sympodien die Blüthe zuerst endständig ist, 
und nachher seitlich geschoben wird, sieht man bei der Weinrebe keine Spur von 
einem solchen Prozesse. Die Banke tritt immer als seitliches Organ auf. Sie ist 
in den frühsten Stadien kürzer als die Stammspitze, während sie nachher in Folge 
ihrer raschen Entwicklung dieselbe beinahe oder wirklich überragt. Die Ent¬ 
wicklungsgeschichte scheint daher die Yermuthung an die Hand zu geben, ent¬ 
weder dass die Banke seitlich an der Stammspitze ohne Tragblatt entstehe, oder 
eher dass eine wirkliche Dichotomie des Scheitels statt habe. Im letztem Falle 
würde Vitis in der Verzweigung mit Lycopodium übereinstimmen. Auch die 
Erscheinungen an den wachsenden und sich theilenden Enden der Banken selber 
sind dieser Anschauungsweise nicht ungünstig. — Das Verhalten der Blätter 
harmonirt ebenfalls nicht wohl mit der Theorie, dass die Schosse Sympodien seien. 
Alle nämlich, es mögen denselben Banken gegenüber stehen oder nicht, haben 
Axillarknospen mit durchaus gleicher Entwicklungsfähigkeit. Ihre gegenüber¬ 
stehenden Blattzeilen befinden sich rechts und links, indess am Sympodium der 
spätere Spross die Blattstellung des frühem fortsetzen würde. Das erste Blatt 
aller Axillarzweige am gleichen Ast fällt constant auf die nämliche Seite. 
In jedes Blatt gehen 5 Fibrovasalstränge, welche unsymmetrisch angeordnet 
sind (Fig. 1, abcde, hiklm, opqrs, uvwxy, aßyöe, Der erste laterale Strang 
der einen, z. B. der linken Seite (d) macht einen kleinen Bogen und ist auch 
beim Austritt in das Blatt dem Medianstrang (a) mehr genähert, als der erste 
laterale rechts (b) ; ebenso macht der zweite laterale Strang links (e) einen klei¬ 
nern Bogen, als der nämliche Strang auf der rechten Seite (c). Wir können so¬ 
mit eine schwächere und eine stärkere Hälfte der Blattspur unterscheiden, jene 
mit geringerer, diese mit grösserer Spurweite. Die schwächere Hälfte der Blatt¬ 
spur liegt immer auf derjenigen Seite, wo sich das erste Blatt des Axillarzweiges 
befindet. An einem ganzen Schoss befinden sich daher die schwachen Hälften der 
Blattspuren symmetrisch auf der gleichen Seite (ade, hik, ors, uvw, aed, — 
In jede Banke treten aus dem Stengel 3 Fibrovasalbündel ein (g, t, z) ; ebenso in 
die Axillarknospe (f, n). 
Jeder Blattspurstrang kann durch 2 bis 7 Internodien hinabsteigen, ehe er 
sich mit einem andern vereinigt. Die 3 Stränge der Bankenspur, ebenso die Axil¬ 
larstränge gehen nebenläufig durch ihr Stengelglied, und setzen sich meist schon 
im nächstuntern Knoten an Blattstränge an, wobei gewöhnlich 2 nach der einen, 
der 3. nach der andern Seite ausbiegen (t, n). Zuweilen gehen einzelne oder alle, 
vereintläufig oder eigenläufig, durch 2 und 3 Internodien hinab (z). — Der Quer¬ 
schnitt zeigt uns daher in geringer Entfernung vom Scheitel bis auf 30 und mehr 
Spurstränge. Weiter nach unten beginnt die Vereinigung derselben zu einem 
geschlossenen Fibrovasalring. 
Die Verschränkungen zweier auf einander folgender Blattspuren finden in 
mannigfacher Weise statt : 1) Der erste seitliche Strang verschränkt sich nicht,
        

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