Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Erstes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28708/59/
51 
basis in mehreren Schichten liegen, so sind es in der Regel die innern, welche 
sich mehr dem Centrum des Stammes nähern ; zuweilen kommt indess auch das 
Umgekehrte vor. 
Die Verschränkungen und Vereinigungen der Blattspurstränge werden 
durch den Verlauf derselben bedingt. Die Verschränkungen gehen fast ausschliess¬ 
lich in den Knoten vor sich. Die Vereinigungen finden ebenfalls häufiger in oder 
dicht an den Knoten statt. Die dicotyledonen Stränge verschmelzen nur tangen¬ 
tial, die monocotyledonen in beiden Richtungen und fast noch häufiger in radialer 
Richtung. 
Nach dieser allgemeinen Auseinandersetzung will ich nun zu der Betrach¬ 
tung der einzelnen Modificationen übergehn, in denen sich der Längsverlauf der 
Fibrovasalmassen darstellt. Was die Methode betrifft, die dabei in Anwendung 
kam, so bemerke ich, dass immer die in Entwicklung befindliche Spitze des 
Stengeltheils (oder der Wurzel) untersucht und von dem Scheitel aus soweit rück¬ 
wärts verfolgt wurde, bis die Stränge durch ihre Vereinigung oder Verflechtung 
sich unkenntlich machten. Dabei wurden immer ganze Reihen von successiven 
Querschnitten (in einzelnen Fällen bis über 100 von der nämlichen Stengelspitze) 
angefertigt, davon so viele, als nothwendig war (zuweilen 20—40) mit der Camera 
lucida oder dem Sömmering’schen Spiegelchen gezeichnet, und durch Verglei¬ 
chung der Verlauf der Stränge ermittelt. Ferner wurden überall, wo nicht die 
Dicke und Undurchsichtigkeit ein Hinderniss darbot (und das war nur bei weni¬ 
gen Pflanzen der Fall) senkrechte Durchschnitte gemacht, in der Art, dass das 
Stengelende halbirt, die beiden Hälften neben einander (die Schnittfläche nach 
oben gekehrt) gelegt und gezeichnet wurden. Durch Erwärmen in Kalilösung 
und gelinden Druck gelang es meistens, den Verlauf, die Verschränkungen und 
Vereinigungen aller oder doch fast aller Stränge zu sehen. Bei gehöriger Sorgfalt 
stimmen die Resultate beider Verfahrungsarten genau überein. 
Nach dem, was ich früher über den Begriff des Epenprosenchyms gesagt habe, 
fallen die Moose sowie die übrigen Zellencryptogamen weg. Unter denPhanero- 
gamen ist die Gattung Wolffia nach Schleiden die einzige Pflanze, der dieses 
Gewebe mangelt; dem entsprechend fehlen ihr auch die Wurzeln. Bei den übri¬ 
gen Gefässpflanzen trifft man (ausser den sogenannten Epidermoidal- oder Beklei¬ 
dungs-Organen) hin und wieder einzelne Blätter, und selbst Stengeitheile, die 
bloss aus Zellgewebe bestehen. — Häufiger kommen ganze Pflanzen und Theile 
von solchen vor, denen nur die Gefässe mangeln, die aber Fibralmassen besitzen. 
Dahin gehören bekanntlich einige Wassergewächse, bald die ganze Pflanze (von 
einigen Hydrocharideen und Najadeen, sowie von Ceratophyllum) bald einzelne 
Organe (namentlich die Wurzeln). Die Fibralmassen treten auch hier in der Form 
von Cylindern, Ringen oder Strängen auf. Der Längsverlauf zeigt nichts Be¬ 
merkens wer thes. 
4 *
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.