Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Erstes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28708/50/
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Endlich muss noch hinzugefügt werden, dass die Abstände der jüngsten 
Blattanfänge sowohl bei spiraliger als bei quirlständiger Anordnung häufig nicht 
vollkommen gleich gross sind, und dass einzelne bis auf 10 Grade die mittlere 
Divergenz überschreiten, andere um eben so viel hinter derselben Zurückbleiben 
können. Eine solche Ungleichheit der Divergenzen in der genetischen Blattstel¬ 
lung ist nun in keiner Weise wahrscheinlich, und daher muss man jedenfalls 
annehmen, dass bis zum ersten Sichtbarwerden der Blattanfänge schon beträcht¬ 
liche Veränderungen in ihren Stellungen stattfinden können. Es bedarf aber 
nicht grösserer Abweichungen von der ursprünglichen Lage als der eben genann¬ 
ten, um eine Spiralstellung in eine andere oder in eine Folge von Quirlen zu 
verwandeln. Wenn jedes Blatt in gleicher Bichtung um 1 5° sich von dem andern 
entfernt, so geht die Stellung % über in % oder umgekehrt; % und 5/13 werden 
durch eine Abweichung von 5V2°, % und 5/13 durch eine solche von 3%ü, % und 
%i durch eine solche von 2° in einander übergeführt. Wenn eine Folge von 3, 4 
oder 5zähligen Quirlen in eine ununterbrochene Spirale aufgelöst wird, so kann 
diess in einer Weise geschehen, dass die mittlere Divergenz 140°, 135° und 137° 
beträgt, Werthe die ganz mit denen der gewöhnlichen Schraubenstellungen über¬ 
einstimmen ; — und wenn jene Quirle wirklich aus einer Spirale mit gleichen 
Abständen entstanden sind, so haben sich die Divergenzen für 3 zählige Quirle 
um 20° vermehrt und vermindert, für 5 zählige Quirle dagegen haben sich die 
einen um 7° erweitert, die andern um 29° verengt. Die Möglichkeit, alle Stel¬ 
lungsverhältnisse bei den Phanerogamen auf eine ursprüngliche Schraubenlinie 
zurückzuführen, ist sicher vorhanden. Indessen dürfte eben so gewiss sein, dass, 
bevor wir etwas Näheres über die Vorgänge der Zellenbildung im Scheitel des 
Stengels wissen, alle Versuche, eine genetische Blattstellung zu construiren, blosse 
Theorien bleiben. 
Indem ich von dieser Abschweifung auf mein Thema zurückkomme, so 
fragt es sich nun, ob die Anordnung der Fibrovasalstränge mit der einen oder der 
andern der genannten 3 Blattstellungen übereinstimme. Es kann das, der Natur 
der Sache nach, keinen andern Sinn haben als den, dass die Vertheilung der 
Stränge auf dem Querschnitt des Stengels die Horizontalprojection der Blattin¬ 
sertionen sei, wie diess auch von Haustein ausgesprochen wurde. Untersuchen 
wir zuerst die Bedingungen, welche lür eine solche Uebereinstimmung mit einer 
der beiden wirklichen Blattstellungen nothwendig sind, so lassen sich dieselben 
einfach folgendermaassen aussprechen : Die Fibrovasalstränge müssen in dem nicht 
gedrehten Stengel eine in tangentialer Bichtung (von aussen oder innen angesehen) 
senkrechte Bichtung zeigen, und in dem gedrehten müssen sie eine Schrauben¬ 
linie beschreiben, welche genau der Drehung entspricht, die der Stengel seit ihrer 
Bildung erfahren hat. 
Die Bichtigkeit dieses Ausspruchs ist leicht einzusehn. Denken wir uns 
einen ungedrehten Stammtheil mit irgend einer Blattstellung, so muss diese sich 
genau in den medianen Fibro vasaisträngen abspiegeln, wenn der Verlauf derselben 
tangential-senkrecht ist. Macht er aber eine Abweichung von der verticalen Bich-
        

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