Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Erstes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28708/14/
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Wie entsteht das Cambium aus dem Urmeristem ? Es ist diese Präge bisher 
wenig erörtert worden. Hanstein, nach welchem die Stammspitze aus Cambium 
besteht, sagt, dass einzelne Zellenstränge in cambialem Zustande verharren, wäh¬ 
rend die Umgebung parenchymatisch werde. Schacht giebt eine ähnliche Dar¬ 
stellung ; nach derselben bleibt unter dem aus Bildungsgewebe bestehenden Ve¬ 
getationskegel zwischen Mark und Rinde ein Verdickungsring ebenfalls aus Bil- 
dungsgewebe thätig, und entstehen aus demselben die Gefässbünclel. Nach diesen 
beiden Darstellungen würde es scheinen, als ob dieZellentheilung zuerst in Mark 
und Rinde aufhöre, und an bestimmten Stellen fortdauere, um Gefässbündel zu 
erzeugen. Diess wäre aber vollkommen unrichtig. 
Stammspitze, Wurzelspitze und junges Blatt bestehen aus einem parenchy- 
matischen Bildungsgewebe (Urmeristem), dessen Zellen alle ziemlich isodiametrisch 
und in Theilung begriffen sind. In diesem trüben, mit Protoplasma erfüllten Ge¬ 
webe treten hellere Partien auf, bestehend aus verlängerten mehr hyalinen Zellen. 
Einzelne dieser letztem theilen sich nicht mehr und werden zu Gefässen oder 
auch zu Bastfasern, indess die andern sich vorzugsweise durch Längswände ver¬ 
mehren, und das Cambium darstellen. Das ganze übrige Gewebe bleibt aber noch 
einige und oft noch längere Zeit in lebhafter Vermehrung begriffen. Ich ver- 
muthe, dass die ersten Gefässe und in vielen Fällen auch die ersten Bastzellen 
unmittelbar aus Urmeristemzellen hervorgehen, welche sich nicht weiter theilen 
und in die Länge wachsen. Es wäre indess möglich, aber nicht wahrscheinlich, 
dass immer zuerst eine Längstheilung vorausginge und somit das Urmeristem zu¬ 
erst sich in Cambium um wandelte. Sicher ist, dass die ersten Zellen eines Gewe¬ 
bes, in denen die Theilung aufhört, dem Prosenchym (den Gefässbündeln) ange¬ 
hören, und in manchen Fällen lässt sich nach weisen, dass, nachdem die Theiluno- 
in den ersten Gefässen oder Bastzellen aufgehört hat, jede Rinden- und Markzelle 
noch 10, 20 und 30 in der Längsrichtung hinter einander liegende Zellen erzeugt, 
abgesehen von den gleichzeitigen Theilungen durch tangentiale und radiale Längs¬ 
wände. — Wenn aber auch die ersten Gefässe und Bastfasern unmittelbar aus 
dem Urmeristem entstehen, so müssen wir die Fibrovasalmassen doch schlechthin 
als Epenprosenchym bezeichnen, weil alle folgenden Gefässe und Baststränge aus 
Cambium gebildet werden, und weil auch jene ersten Dauerelemente schon das 
dem Cambium und dem Epenprosenchym eigenthümliche Längenwachsthum in 
ausgezeichneter Weise besitzen. 
Das erste Stadium der aus dem Urmeristem entspringenden Cambiumpartien 
zeigt uns also verlängerte schmale Zellen, von denen die einen nicht mehr, die 
andern vorzugsweise durch Längswände sich theilen. In den letztem treten aber 
auch Querwände auf, und so kommt es, dass die zuerst sich ausbildenden Ele¬ 
mente einer Prosenchymmasse die längsten sind, und dass die übrigen, wie sie bis 
zu einem bestimmten Stadium der Zeit nach auf einander folgen, kürzer werden. 
Es ist bekannt, dass man diess vorzugsweise an den Gefässzellen beobachtet, so 
wie auch, dass die zuerst sich entwickelnden Gefässe (abrollbare) Spiral - oder 
Ringfasern, die spätem (nicht abrollbare) Netzfasern oder Poren besitzen. Mit
        

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