Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik, Erstes Heft
Person:
Nägeli, Carl Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28708/107/
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nächsten Internodium ein nebenläufiges Paar oder auch einen vereintläufi¬ 
gen Strang bilden, welcher dem dritten Strang diametral gegenüber liegt 
(Tig. 6 und 7, p, o, n). Die 2 Stränge, welche aus den beiden Vorblättern jedes 
Astes unter der Gipfelblüthe kommen, gehen durch ihr Internodium, treten dann 
in den Stengel ein, steigen hier noch durch 2 Glieder hinab (im zweiten sind die 
einen mit den Strängen des Blüthenstiels vereintläufig), und setzen sich an die 
Gabeläste der Stränge vom obersten Blattpaar des Stengels an. 
Das zweite Internodium vor dem terminalen Blüthenstiel hat daher, wie die 
vorhergehenden, 8 Stränge, aber von anderer Bedeutung: 4 kreuzweise angeord¬ 
nete für die 2 obersten Blattpaare (Fig. 6, e, f, g, h), und damit alternirend 4 für 
die Blätter der Aeste (h, i, 1, m). Das Stengelglied dagegen, welches dem Blü¬ 
thenstiel unmittelbar vorausgeht, zeigt 9 Stränge : 2 opponirte, welche durch ihre 
Stärke sich auszeichnen, für das oberste Blattpaar (Fig. 6 und 7, g, k), damit ein 
Kreuz bildend einerseits die 2 paarigen (p, o) anderseits der unpaare (n) für den 
Blüthenstiel, endlich mit den genannten Strängen alternirend 4 für die Vorblätter 
der beiden Aeste (h, i, 1, m). 
In allen folgenden Verzweigungen des BlüthenStandes finden wir ganz ähn¬ 
liche Verhältnisse, nämlich 5 Stränge im Blüthenstiel, die sich in der Zahl von 
3 durch das erste Glied fortsetzen und im Grunde desselben sich anlegen ; und 
9 Stränge im ersten Glied jedes Sprosses von gleicher Anordnung und gleicher 
Bedeutung wie im obersten Stengelglied. Der Unterschied im Verlauf der Stränge 
besteht nur darin, dass die Blattspuren immer nur durch 2 Internodien gehen und 
dann sich ansetzen, nämlich durch dasjenige des eigenen Sprosses und das des 
Tragsprosses. 
Jeder der 5 Stränge des Blüthenstieles geht in ein Kelchblatt aus. Der 
Querschnitt dicht unter der Blüthe zeigt 10 Stränge ; die 5 neuen, die zwischen 
die frühem eingeschoben sind, theilen sich nach unten in 2 rechts und links sich 
anlegende Schenkel und nach oben in 2 Aeste, welche in die benachbarten Kelch¬ 
blätter eintreten, sich gewöhnlich noch einmal gabeln und ihre seitlichen Nerven 
darstellen. — An die in den Kelch austretenden Fibrovasalstränge setzen sich 
später noch mehrere andere an, welche in die höhern Blüthentheile gehen, und 
eine ziemlich regelmässige Anordnung zeigen. Was die Entstehungsfolge der 
Stränge betrifft, so kommen nach dem Kelch zuerst diejenigen der centralen Pla¬ 
centa. Wenn die Hauptstränge des Kelches bereits gebildet sind, findet man in 
der ganzen übrigen Blüthe erst i oder 2 in der Placenta. Letztere ist später von 
sehr zahlreichen Strängen durchzogen, die von unten nach oben wachsen, und 
von denen jeder in ein Ovulum ausgeht. Wenn diese Bildung schon etwas fort¬ 
geschritten und das Gefässnetz in den Kelchblättern fast fertig ist, so beginnt die 
Gefässbildung in den Blumenblättern, wo sie von unten nach oben fortschreitet, 
und gewöhnlich noch früher in den Staubgefässen, wo sie am Grund und an der 
Spitze beginnt und von diesen beiden Endpuncten nach der Mitte hin sich fort¬ 
bewegt. Die Pollenkörner sind übrigens vollständig entwickelt, ziemlich lange 
ehe der einfache Fibrovasalstrang in dem Staubgefäss sichtbar wild, welcher, da
        

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