Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Hermann von Helmholtz. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 4. Juli 1895
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28661/5/
520 Hermann von Helmholtz, 
können, die ewigen Grundsätze aller wissenschaftlichen 
Arbeit gepredigt hat, Grundsätze, so einfach und doch 
immer wieder vergessen, so klar und doch immer wieder 
mit täuschendem Schleier verhängt......Die Medizin 
ist doch nun einmal das geistige Heimatsland, in dem 
ich herangewachsen bin, und auch der Auswanderer 
versteht und findet sich verstanden am besten in der 
Heimat“. Immerhin befand er sich als Elève der Pépi¬ 
nière in einer wundersam zwiespältigen Lage: wenn er 
auf der einen Seite in der Bibliothek des Institutes 
d’Alembert’s Traité de Dynamique entdeckt und mit 
geistigem Heißhunger verschlingt, auf der anderen sich 
dem hinreißenden Zauber von Johannes Müller’s ana¬ 
tomisch-physiologischen Lehrvorträgen gefangen gibt, 
welcher naturgemäß für lange Zeit die Oberhand ge¬ 
winnt. 
So kommt es denn, daß seine erste, in seiner 
medizinischen Inaugural-Dissertation vom 2. November 
1842 niedergelegte Arbeit — De Fabrica Systanatis 
nervosi Evertebratorum — ihn uns als mikroskopisch¬ 
anatomischen Beobachter vorführt, indem er am Nerven¬ 
system von wirbellosen Tieren, vom Blutegel, Krebs u. a., 
den lange vergeblich gesuchten Zusammenhang derNerven- 
fasern mit den von Ehrenberg 1833 entdeckten Ganglien¬ 
kugeln nachwies; ein von Johannes Müller, dem die 
Dissertation gewidmet ist, als theoretisch notwendig ge¬ 
fordertes Verhalten, welches seit kurzem in neuer Ge¬ 
stalt die Histiologen wieder lebhaft in Anspruch nimmt. 
Es ist rührend zu vernehmen, wie Helmholtz zu dem 
Mikroskope kam, mit welchem er diese denkwürdige 
Leistung vollbrachte. Im Charité - Krankenhause am 
Typhus daniederliegend, und als Elève unentgeltlich ver¬ 
pflegt, sah er sich als Rekonvaleszent im Besitze seiner 
aufgesparten kleinen Einkünfte. Mit diesen erwarb er 
das Mikroskop. Das Instrument war nicht schön; um so 
mehr gereicht ihm zum Ruhme, was ihm damit gelang. 
Hier beginnt die unermeßliche, dichtgedrängte, bis 
zu seinem Tode ununterbrochene Reihe seiner Arbeiten. 
Da diese oft kurz nacheinander, ja zu gleicher Zeit ganz 
verschiedene Gegenstände betreffen, so ist es unausführ¬ 
bar, davon eine folgerichtige Darstellung zu geben,
        

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