Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Hermann von Helmholtz. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 4. Juli 1895
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28661/41/
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Hermann von Helmholtz. 
gang anzustellen, und seine Formeln mit der Wirklich¬ 
keit zu vergleichen. 
Diese Arbeiten von Helmholtz sind die letzten 
welche im engeren Sinne als naturwissenschaftlich be¬ 
zeichnet werden können, insofern darin von Darstellung) 
Beobachtung und Deutung von Naturerscheinungen die 
Rede ist. Es folgen nun zunächst fünf Studien zur 
Statik monocyklischer Systeme, welche lediglich ana¬ 
lytisch-mechanischen Inhaltes sind. MonocyklischeSysteme 
sind solche, in deren Innerem eine oder mehrere statio¬ 
näre, in sich zurücklaufende Bewegungen Vorkommen, 
die aber, wenn deren mehrere sind, nur von Einem 
Parameter abhängen. Das Hauptinteresse solcher Unter¬ 
suchungen liegt darin, daß auch die Wärmebewegung, 
wenigstens in ihren nach außen beobachtbaren Wir¬ 
kungen, die wesentlichen Eigentümlichkeiten eines mono- 
cyklischen Systèmes zeigt, und daß namentlich die be¬ 
schränkte Verwandlungsfähigkeit der in die Form von 
Wärme übergegangenen Arbeitsäquivalente unter ge¬ 
wissen Bedingungen auch für die Arbeit der mono- 
cyklischen Systeme gilt. 
Denselben analytisch-mechanischen Charakter haben 
die Aufsätze ‘über die physikalische Bedeutung’ und ‘zur 
Geschichte des Prinzips der kleinsten Aktion’. Dies von 
Maupertuis aufgestellte Prinzip besagt, daß das von 
Leibniz Aktion genannte Produkt aus der Zeit in die 
lebendige Kraft stets ein Minimum sei, so daß man aus 
der Bedingung für das Minimum Bahn und Geschwindig¬ 
keit der bewegten Masse eindeutig erhalte. Maupertuis 
legte indes seinem Prinzipe eine ungemeine Wichtigkeit 
ganz anderer Art bei, indem er darin den sichersten 
und unwiderleglichsten Beweis für das Dasein Gottes er¬ 
blickte. Er vermochte aber nicht einmal einen mathe¬ 
matisch stichhaltigen Beweis für das Prinzip zu geben, 
welches somit, wie seiner Zeit das Prinzip der Erhaltung 
der Energie, lange unter dem Vorurteile litt, daß es nur 
eine halb metaphysische Fiktion sei. Zwar hatte eine 
Reihe von Mathematikern ersten Ranges, von Euler bis 
zu Jacobi, sich schon bemüht, es korrekt zu gestalten. 
Es ist aber ein eigenes Zusammentreffen, daß es Helm¬ 
holtz, der schon dem Prinzipe der Erhaltung der Energie
        

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