Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Hermann von Helmholtz. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 4. Juli 1895
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28661/34/
Hermann von Helmholtz. 
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Vorbild aufgestellten Lehre von der Elektrizität und 
dem Magnetismus polarisierte Kraftlinien gesetzt und 
nachgewiesen. Ein Mathematiker ersten Ranges, in 
diesem Felde Helmholtz wohl ebenbürtig zu nennen, 
Tames Clerk Maxwell, hatte diese Theorie, die sich 
£urz als die der dielektrischen Polarisation beschreiben 
läßt, in eine mathematische Form gegossen, und zu der 
Theorie des Lichtes in der Art in Beziehung gebracht, 
daß beide, Licht und Elektrizität, fortan auf Äther¬ 
schwingungen als auf den nämlichen letzten Grund 
zurückgeführt, und als wesentlich einerlei erkannt waren. 
Noch fehlte für diese Synthese der handgreifliche, 
experimentelle Beweis. Wenn er nicht von Helmholtz 
selber geliefert wurde, so geschah es doch durch den¬ 
jenigen seiner Schüler, der ihm in diesem Gebiete nach 
Richtung und vielleicht nach Begabung am nächsten 
stand, durch den leider kurz nach dem hier von ihm 
erfochtenen Siege verstorbenen Heinrich Hertz. Dieser 
zeigte, daß von elektrischen Funken ausgehende Strahlun¬ 
gen ganz wie die Ätherschwingungen des Lichtes inter¬ 
ferieren, reflektiert, gebrochen und polarisiert werden; 
sie pflanzen sich mit einer der des Lichtes vergleichbaren, 
wenn nicht gleichen Geschwindigkeit fort; genug, sie 
sind transversale Ätherschwingungen gleich denen des 
Lichtes, nur ungleich länger. Helmholtz hat sich denn 
auch in seinen späteren Arbeiten der Faraday-Maxwell- 
schen Theorie rückhaltlos angeschlossen, ja er hat die 
elektrische Theorie des Lichtes in einem wichtigen Punkte 
vervollständigt, indem er die elektromagnetische Theorie 
der Farbenzerstreuung entwickelte, wobei er die zur 
.Erklärung der anomalen Dispersion schon früher von 
ihm angenommene Sellmeyer ’sehe Hypothese von pon- 
derablen, des Mitschwingens fähigen Molekeln im Äther 
zu Grunde legt. Er hat auch in einem vor der Chemical 
Society gehaltenen Vortrage Faraday’s neue Auffassung 
der Elektrizität dargestellt, und zugleich die elektrische 
Theorie der chemischen Verbindungen und die Theorie 
der Elektrolyse in ihrer neuen Gestalt abgeleitet, wobei 
er als Grundvoraussetzungen das Gesetz von der Kon¬ 
stanz der Energie und die strenge Gültigkeit von Faraday’s 
elektrolytischem Gesetze festhielt. Letzterem entsprechend
        

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