Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedächtnisrede auf Hermann von Helmholtz. Gehalten in der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 4. Juli 1895
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28661/15/
530 
Hermann von Helmholtz. 
physiologische Abhandlung oder ein Handbuch vor und 
nach jener Zeit lehrt, eine ganz andere ward. Ludwig 
ließ so den Blutdruck in den Gefäßen eines lebenden 
Tieres seine Schwankungen oder Wellen verzeichnen 
daher der Name seines Apparates. Helmholtz seinerseits 
konstruierte ein Myographion, an welchem ein Muskel 
seine Verkürzung mit solcher Treue aufschrieb, daß man 
nicht allein zum erstenmal ein Bild von deren Gesetz 
erhielt, sondern daß auch durch die Verschiebung der 
vom Muskel selber, und von zwei Punkten des Nerven 
aus gezeichneten Kurven gegeneinander die dabei in 
Betracht kommenden Zeitverhältnisse mit aller Sicherheit 
wahrgenommen wurden. 
Der Muskel zeichnete diese Kurven mittels einer 
Stahlspitze auf einem berußten Glaszylinder über einem 
weißen Grunde. Den dem Augenblick der Reizung ent¬ 
sprechenden Punkt auf dem Umfang des Zylinders er¬ 
fuhr man, indem man den Muskel bei so langsam aus 
der Hand gedrehtem Zylinder reizte, daß der auf- und 
der absteigende Schenkel der Zuckungskurve mitein¬ 
ander zu einer senkrechten Geraden verschmolzen. Ein 
einziger Versuch, dessen Ergebnis Helmholtz überdies 
noch leicht und sicher beliebig lange aufbewahren 
lehrte, ließ so mit Einem Blick alles das erkennen, 
wozu es bei dem PouiiXET’schen Verfahren einer ganzen 
Versuchsreihe bedurft hätte, und eine Fülle von Fragen 
drängte sich jetzt zur Beantwortung, an welche früher 
nicht einmal hatte gedacht werden können. So stellte 
Helmholtz fest, daß die eine sekundäre Zuckung er¬ 
zeugende negative Schwankung des Muskelstromes früher 
eintritt als die Zusammenziehung des Muskels; daß der 
Elektrotonus der Nerven dagegen nicht später eintritt 
als der ihn erregende elektrische Strom. Er untersuchte 
was bei einer doppelten Reizung, d. h. bei zwei ein¬ 
ander so dicht folgenden Reizungen sich begibt, daß 
ihre Wirkungen sich summieren; endlich wann die re¬ 
flektierten Zuckungen eintreten, von denen man früher 
meinte, daß sie von der Reizung durch gar keinen 
merklichen Zeitraum getrennt seien. Im geraden Wider¬ 
spruch damit zeigte sich, daß bei den scheinbar blitz¬ 
schnell eintretenden Strychninreflexen die Übertragung
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.