Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Maupertuis. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 28. Januar 1892 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28659/9/
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Maupertuis. 
wo sein Wissensdurst zwei Jahre lang mit Cartesischer 
Philosophie abgespeist wurde. Schon hier erwachte in 
ihm Mißtrauen gegen einen Philosophen, der mit de 
omnibus dubitandum begonnen und mit ausschweifender 
Spekulation geendet hatte. Sonderbarerweise ahmte er 
ihm aber in Einem Stücke nach. Wie Descartes ward 
er zuerst Soldat. Er trat 1718 bei den grauen Muske¬ 
tieren ein und erhielt später eine Kompagnie in einem 
zu Lille garnisonierenden Kavallerieregiment. Die so 
gewonnene körperliche Tüchtigkeit sollte ihm in seinem 
bewegten Leben später wohl zustatten kommen. Einst¬ 
weilen konnten sein Feuergeist und seine entschiedene 
mathematische Neigung es im rühmlosen Müßiggang des 
damaligen Offizierlebens im Frieden nicht lange aus- 
halten, und er nahm bald den Abschied. Geschrieben 
hatte er um diese Zeit noch nichts, aber in dem Café 
Procope, welches bis in unsere Tage ein Sammelplatz 
wissenschaftlicher und literarischer Größen blieb, hatte 
er im Winter 1722 einflußreiche Verbindungen aus aka¬ 
demischen Kreisen angeknüpft, und es gibt einen Begriff 
von der Macht seiner Persönlichkeit und seinem glänzen¬ 
den Talent, daß nicht allein diese Freunde in ihn drangen, 
sich der Wissenschaft zu widmen, sondern daß er auch 
sogleich am 11. Dezember 1723, fünfundzwanzig Jahre 
alt, von der Akademie als Adjoint géomètre aufgenom¬ 
men wurde. Erst elf Monate später trat er dann mit 
seiner ersten Abhandlung hervor: Über die Gestalt der 
musikalischen Instrumente, aber schon 1725 wurde er 
zum Associé astronome der Akademie befördert. Die 
Bedeutung und Möglichkeit solchen Fortschrittes ist in 
uns nicht ganz durchsichtigen Einrichtungen der da¬ 
maligen Akademie zu suchen; jedenfalls geht daraus 
abermals das auf die Zukunft des jungen Maupertuis ge¬ 
setzte Vertrauen hervor. 
Dies rechtfertigte sich bald, denn das Jahr darau 
beginnt die eine Zeitlang dicht gedrängte Reihe seiner 
mathematischen Arbeiten. Sie sind meistens analytisch¬ 
geometrischen und -mechanischen Inhalts und behandeln 
Kurven höherer Art, ein durch die neuen Rechnungs¬ 
methoden erst vor kurzem zugänglich gemachtes FeW 
von reizvollen Entdeckungen, welches dadurch noch an
        

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