Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Maupertuis. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 28. Januar 1892 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28659/15/
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Maupertuis. 
war, am Ufer eines Baches wilde Rosen blühend zu 
finden; doch wird jeder Lebensgenuß durch eine schon 
von Regnard eindrucksvoll geschilderte Qual verkümmert: 
durch so zahlreiche und dichte Schwärme von Stech¬ 
fliegen und Mücken, wie selbst heiße Länder sie nicht 
kennen. Nur indem man wie die Eingeborenen sich in 
Rauchwolken von grünem Holze hüllte, oder Gesicht und 
Hände mit Teer beschmierte, konnte man dieser Har¬ 
pyien sich erwehren, welche beim Beobachten natürlich 
nicht minder lästig waren als beim Essen und Schlafen. 
Übrigens wimmelte der Wald von Federwild, die Elv 
von Lachsen und Hechten. Die Bevölkerung bestand zu 
Maupertuis’ Zeit, abgesehen von spärlichen schwedischen 
Ansiedlern, aus Finnen und Lappen. Die Finnen be¬ 
wohnten sogenannte Dörfer aus wenigen weit zerstreuten 
elenden Hütten; sie zeigten sich als kühne und gewandte 
Bootsleute auf der Elv. Die Lappen lebten nomadisch 
unter wollenen Zelten vom Ertrag ihrer Renntierherden, 
welche auch die üblichen Zugtiere stellten. Der Reisende 
wurde in einem aus leichten Brettern mit Renntiersehnen 
zusammengenähten, einem Kanoe ähnlichen Gefährt, Pulka 
genannt, festgebunden, und durch das unbändig dahin 
stürmende Renntier über den gefrorenen, oder auch 
durch den weichen, über ihm zusammenschlagenden 
Schnee geschleift, wie dies bei Maupertuis und Outhier 
im Bilde zu sehen ist. Doch kommen bei Outhier auch 
Pferde vor, die er als Ponies beschreibt. Im Sommer 
mußte man zu Fuß durch den Wald häufig seinen Weg 
mit der Axt sich bahnen. Ein einigermaßen genügen¬ 
des Obdach fand man nur in wenigen weit auseinander 
gelegenen Pfarren und Meierhöfen. 
So war das Land beschaffen, wo nun Maupertuis 
und seine Begleiter an das Werk gingen. Das Erste 
war, die Endpunkte des zu messenden Gradbogens fest¬ 
zustellen. Als der eine dieser Punkte wurde eine Warte 
in Tornea selbst dem dort als Signal dienenden Kirch¬ 
turm nahe gebaut; als der andere eine solche auf einem 
Flügel namens Kittis, der beinahe genau in dem Meridian 
von Tornea, fast um einen Grad nördlich davon entfernt, 
jenseit des Polarkreises, sich dazu geeignet fand, und m 
dessen Nähe ein Meierhof, Korten-Niemi bei Pello, eine
        

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