Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Maupertuis. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 28. Januar 1892 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28659/13/
Maupertuis. 
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skandinavischen Norden fehlte es nicht an Beziehungen. 
Descartes war bei der Königin Christine gestorben, 
Picard hatte auf der Insel Hveen die Trümmer von Tycho 
Brahe’s Uranienborg aufgesucht, und eine Zeitlang dort 
beobachtet; durch ihn war Olof Römer nach Paris ge¬ 
zogen worden, wo auch der Astronom Celsius aus Upsala 
sich aufhielt. Unstreitig hat wohl Celsius dazu beige¬ 
tragen, Maupertuis’ Aufmerksamkeit auf Lappland zu 
lenken. Doch hatte schon 1681 der Lustspieldichter 
Regnard, eine der merkwürdigsten Naturen in jener daran 
so reichen Zeit, gerade die Gegend besucht, in welche 
wir jetzt Maupertuis zu begleiten haben, und von seinen 
dortigen Erlebnissen und Wahrnehmungen eine höchst 
lebendige und anschauliche Schilderung entworfen. Diese 
war erst eben, 1731, erschienen, und ward vielleicht 
auch, obschon es sich nirgend gesagt findet, von Wichtig¬ 
keit für Maupertuis’ Entschlüsse.7 
Umgeben von einem förmlichen Stabe von Gehilfen, 
segelte Maupertius am 2. Mai 1736 auf dem cPrudent’ 
von Dünkirchen ab nach Stockholm. Er hatte bei sich 
die drei Akademiker Clairaut, Camus und Le Monnier, 
überdies den Abbé Outhier, Korrespondenten der Aka¬ 
demie in Bayeux, welcher sich um die Expedition be¬ 
sonders verdient gemacht hat, indem er sein sorgfältig 
geführtes Tagebuch mit einer Fülle anziehender Einzel¬ 
heiten und mit zwar rohen, doch lehrreichen Abbildungen 
herausgab.8 In Stockholm bereitete der König-Gemahl 
Friedrich von Hessen-Kassel in Person den Reisenden 
den besten Empfang und gewährte ihnen jede Art von 
Unterstützung. Celsius, der sich von Paris aus der Ex¬ 
pedition angeschlossen hatte, wurde ihr hier dauernd 
beigesellt, wegen seiner Kenntnis des Landes und der 
Sprache ein unschätzbarer Zuwachs. Von Stockholm 
wendeten sich die neuen Argonauten (als solche besang 
sie Voltaire) nach dem nördlichen Ende des Bottnischen 
Meerbusens, wo, vom Lappländischen Gebirge her, Lapp¬ 
land von Finnland scheidend, ein ansehnlicher Strom, 
die Torneä-Elv, in die See sich ergießt. In seiner weiten 
Mündung liegt auf einer Insel, die im Sommer zur Halb¬ 
insel wurde, die damals noch nicht russische Stadt Tornea. 
Das jetzt in der Meteorologie oft genannte Haparanda,
        

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