Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Adelbert von Chamisso als Naturforscher. In der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 28. Juni 1888 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28657/8/
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Adelbert von Chamisso als Naturforscher. 
regung, wobei er müßiger Zuschauer bleiben sollte, war 
Chamisso’s Unbehagen auf das höchste gesteigert,’ und 
mit dem Fuße stampfend rief er aus: „Ich wollte, ich 
wäre mit diesen Russen am Nordpol l“ Der geschäfts 
kundige Hitzig übernahm die Verhandlung mit Rußland' 
Chamisso, von Lichtenstein und anderen Lehrern emp.’ 
fohlen, wurde zum Naturforscher der Expedition ernannt 
und meldete sich am 9. August 1815 an Bord des 
‘Rurik’ auf der Reede von Kopenhagen bei dem Be¬ 
fehlshaber, dem Kaiserlich Russischen Marineleutnant 
Otto von Kotzebue. 
Damit war er am glücklich entscheidenden Wende- 
punkte seiner Laufbahn angelangt. In unserer Zeit der 
Dampfschiffe und Eisenbahnen, der Reise um die Welt 
in achtzig Tagen, kann man sich nur schwer eine Vor¬ 
stellung davon machen, welche Bedeutung damals eine 
Fahrt wie die des Rurik hatte, wie sie dem Reisenden 
für sein Leben eine bestimmte Richtung und Arbeitsstoff 
gab. Nur Ehrenberg, wie ich es früher einmal aus¬ 
führte,7 entzog sich diesem Gesetze, so daß über seine 
Entdeckungen im Gebiete des ‘kleinsten Lebens’ seine 
Reisen fast in Vergessenheit gerieten. Dagegen fast die 
ganze spätere wissenschaftliche Tätigkeit Chamisso’s als 
Ausführung des auf seiner Reise Begonnenen sich auf¬ 
fassen läßt. 
Die Fahrt des Rurik, welche drei Jahre dauerte, 
führte von Plymouth nach Teneriffa, Brasilien und um 
das Kap Horn nach Chile; an Salas y Gomez vorbei in 
die Inselwelt der Südsee, zuletzt nach der zu den Mar¬ 
shallsinseln gehörigen Inselkette Radak. Nun ging es 
nordwärts nach Kamtschatka, durch die Beringsstraße in 
das Eismeer und zurück zu der Aleuteninsel Unalaschka, 
wo Vorbereitungen für die erst im folgenden Sommer 
zu unternehmende Nordpolfahrt getroffen wurden. In 
der Zwischenzeit begab sich die Expedition wieder süd¬ 
wärts nach Kalifornien, den Sandwichinseln und Radak; 
darauf abermals nordwärts nach Unalaschka, von wo 
aus nunmehr versucht wurde, im Eismeer vorzudringen. 
Wegen Kotzebue’s Gesundheitszustand mußte jedoch hier 
der eigentliche und ursprüngliche Reisezweck aufgegeben 
werden, den bekanntlich erst in den fünfziger Jahren
        

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