Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Adelbert von Chamisso als Naturforscher. In der Leibniz-Sitzung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 28. Juni 1888 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28657/28/
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Adelbert von Chamisso als Naturforscher. 
in der Stunde, wo sie in unsere Hände gegeben sind in 
das Meer der Vergessenheit versenkt.“ 
Erst in ungleich jüngerer Zeit, als es meist schon 
zu spät war, hat man angefangen, im Sinne seiner Mah¬ 
nungen zu handeln. Wir selber haben mit den Mitteln 
der Humboldt-Stiftung für Naturforschung und Reisen 
Hrn. Dr. Otto Finsch nach jenen Gegenden entsendet 
welcher leider durch die neuen, ihm von der deutschen 
Kolonialpolitik gestellten Aufgaben bisher verhindert 
wurde, die Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen 
zu veröffentlichen. Zu einem noch weniger erfreulichen 
Zweck, als um die letzten Trümmer autochthoner Kultur 
zu retten, haben wir mit den Mitteln derselben Stiftung 
einen anderen Reisenden nach den Sandwichinseln ent¬ 
sendet, und in nichts kann wohl greller der Umschwung 
sich kundgeben, der seit Chamisso’s Tagen dort vor sich 
ging. Wo Chamisso den von ihm höchlich bewunderten 
alten König und Helden Tameiameia33 sein blühendes 
Inselvolk patriarchalisch beherrschen sah wie Ai.kinoos 
seine Phäaken, kämpft unter dessen jetzigem Nachfolger 
Kalakaua I. eine völlig europäisch organisierte Regie¬ 
rung wider eine furchtbare, die Eingeborenen heim¬ 
suchende Seuche, den aus Europa fast verschwundenen 
mittelalterlichen Aussatz, zu dessen Beobachtung sich 
Hr. Dr. Eduard Arning nach Honolulu begab.31 An 
Stelle des lieblichen Dorfes unter Palmbäumen am See¬ 
gestade, in welchem Tameiameia auf einer erhabenen 
Terrasse, von seinen Weibern umringt, in volkstümlich 
malerischer Tracht, dem roten Maro und der schwarzen 
Tapa, die Herren vom Rurik empfing, trifft heute der 
Reisende eine wohlgebaute Stadt mit reichen Kaufläden, 
elektrischer Beleuchtung, Fernsprecheinrichtung und 
Straßenbahn. 
Vielleicht etwas unter dem Einfluß RoussEAu’scher 
Ideen entbrennt Chamisso in fast schwärmerischer Nei¬ 
gung für die schönen, heiteren, sanften Menschen auf 
den seligen Eilanden der Südsee, besonders der Radak- 
kette. Er hat nicht Worte des Preises genug für den 
natürlichen Adel der Männer, die züchtige Anmut der 
liederreichen Frauen von Radak. Bitter tadelt er die 
törichte Überhebung der Scheinzivilisation, welche diese
        

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