Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich II. in der bildenden Kunst. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 27. Januar 1887 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28656/23/
Friedrich II. in der bildenden Kunst, 
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sonst löblichen architektonischen Gedanken nichts von den 
technischen Bedingungen der Ausführung verstand und, 
den Geldpunkt ausgenommen, auch nicht viel davon 
hören mochte. Aber auch in rein ästhetischen Dingen, 
Baustil und Ornamentik, vertrug er bald keinen Wider¬ 
spruch mehr. Mißhelligkeiten der Art führten zunächst 
zu einer Erkältung zwischen ihm und Knobelsdorff, der 
ihm doch nicht nur künstlerisch seit Rheinsberg, sondern 
auch schon seit der Küstriner Gefangenschaft menschlich 
verbunden war. Knobelsdorff hatte in Italien, seiner 
Zeit voraus, sich mit den erhabenen und einfachen Zügen 
hellenischer Kunst durchdrungen, soweit sie damals be¬ 
kannt war; Friedrich blieb zeitlebens im Barockstil be¬ 
fangen. Der Freiherr von Knobelsdorff, ehemals Offizier, 
war nicht der Mann, seine bessere Überzeugung aus 
Liebedienerei zu verleugnen, und seines lauten Tadels 
oder seiner stummen Mißbilligung müde, wandte sich 
der König allmählich von ihm ab und dem schon vor¬ 
her genannten älteren Boumann zu, den Friedrich Wil¬ 
helm I. aus Holland verschrieben hatte, um in Potsdam 
das sogenannte Holländische Viertel zu bauen. Über 
das Berliner Tor in Potsdam, welches Friedrich ge¬ 
wissermaßen hinter Knobelsdorff’s Rücken hatte auf¬ 
führen lassen, kam es zum Bruch zwischen ihnen, und 
sie haben sich nicht wiedergesehen. Knobelsdorff’s 
früher Tod machte diesem unerfreulichen Verhältnis ein 
Ende, und der König suchte, was er im Leben vielleicht 
an ihm gefehlt, durch das Éloge zu sühnen, das er am 
heutigen Jahrestage 1754 an diesem Tische verlesen 
ließ.48 Die Nachwelt ist Knobelsdorff gerecht geworden. 
Er steht, was könnte er Größeres verlangen, im Marmor¬ 
bilde unter der Säulenhalle des Museums neben Schadow 
und Rauch, Schinkel und Winckelmann, denen nächstens 
Chodowiecki sich anreihen wird, und am Friedrichs¬ 
denkmal stellt er den Adoranten dem Könige vor. Die 
Boumann, Vater und Sohn, und von Gontard folgten 
s'ch nun in des Königs Gunst; ersteren sagte man nach, 
daß sie am leichtesten seiner Eigenwilligkeit sich beug¬ 
en, oder am geschicktesten seine architektonisch nicht 
unmer zu rechtfertigenden Anordnungen zu umgehen 
wußten. b
        

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