Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich II. in der bildenden Kunst. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 27. Januar 1887 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28656/20/
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Friedrich II. in der bildenden Kunst. 
gelder aus Rom, aus Spanien, vom Dominikanerorden 
nur stockend einliefen; und erst in diesen Tagen, nach 
hundertjährigem Stillstände, wird er, wohl nicht ohne 
triumphierenden Hinblick auf den im ‘Kulturkampf’ er¬ 
rungenen Sieg, mehr prunkend als geschmackvoll, zu 
Ende geführt. Das Universitätsgebäude, 1764 als Palast 
des Prinzen Heinrich vom älteren Boumann gebaut, ist 
in seiner edlen Einfachheit, trotz einer etwas zynischen 
Bemerkung des Königs, immer noch eine Zierde der 
Hauptstadt, wie die Überweisung für seinen gegenwärtigen 
Zweck immer ein Denkmal des großen Sinnes Friedrich 
Wilhelm’s III. bleibt. Das Akademiegebäude, in welchem 
wir uns befinden, ist seiner ersten Anlage nach älter. 
Es wurde 1699 von Nehring als Marstall für den König 
Friedrich I. noch als Kurfürsten gebaut, und die durch 
die vorgeschlagene Inschrift Mulis et Musis verspottete 
Vermischung sehr verschiedenartiger Zwecke fällt diesem 
Fürsten zur Last, indem er es war, welcher die beiden 
von ihm gegründeten Akademien, die der Wissenschaften 
und die der Künste, über seinen Mauleseln einquartierte. 
Friedrich II. ließ das 1743 durch einen Brand zerstörte 
Gebäude von dem älteren Boumann erneuern, doch 
stammt wohl der Bau, wie wir ihn heute sehen, großen¬ 
teils aus dem zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts von 
Rabe her. Endlich die Königliche Bibliothek baute der 
jüngere Boumann nach einem von dem Wiener Archi¬ 
tekten Fischer von Erlach für den Eingang zur Kaiser¬ 
lichen Burg bestimmten Entwürfe, daher es Erfindung 
ist, daß sie auf des Königs Befehl eine Kommode da¬ 
maliger Zeit nachahmen sollte. Die fragwürdige Latinität 
des Nutrimentum Spiritus hat trotz dem ihm von Fried¬ 
rich erteilten klassischen Namen der Oberst Quintus 
Icilius auf dem Gewissen.42 
Diesen, Knobelsdorff’s Forum Friderici umgrenzen¬ 
den Bauten reihen sich noch die außen prächtigen, innen 
kümmerlichen GoNTARD’schen Campanile auf dem Gens- 
darmen-Markt an; sie sind, was die Architekten nennen, 
ein maskierter Bau, und nicht einmal läutende Glocken 
zu tragen mutete man ihnen zu. Bekanntlich stürzte 
der schon weit vorgerückte südliche Turm am 28. Juh 
1781 früh morgens ein, ohne weiter Schaden anzurichten.
        

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