Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich II. in der bildenden Kunst. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 27. Januar 1887 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28656/2/
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Friedrich II. in der bildenden Kunst. 
denen zu denken geben, welche das Reich gern wieder 
zerschlagen möchten. Es liegt in der Natur der Dinge, 
daß, wie groß auch Friedrich’s Gestalt schon in der 
politischen Geschichte dastand, sie zu ihrer vollen Höhe 
erst erwuchs, seit deutsche Stämme, die sonst bestenfalls 
nur fremd gegen ihn empfanden, sich in seinem Kreise 
willig festgebannt fühlen. Wie vor hundert Jahren die 
Kunde von seinem Ableben weithin die Welt erschütterte, 
so hallte im vorigen Sommer die Erinnerung daran in 
allen deutschen Gauen wider, und sogar in dem alten, 
durch ihn in Deutschland gleichsam enteigneten südöst¬ 
lichen Kaiserreich beugte man sich in selbstloser Ehr¬ 
furcht vor dem Helden des Siebenjährigen Krieges. 
Aber das ist das Wunderbare, ja Einzige an dieser 
geschichtlichen Gestalt, daß sie nicht nur an politischer 
Bedeutung, nicht nur als die eines der ersten Kriegs¬ 
und Staatsmänner aller Zeiten immerfort gewachsen ist, 
sondern daß sie auch in allgemein menschlicher, in lite¬ 
rarischer und philosophischer Hinsicht noch gewinnen 
konnte. Ich lasse dabei außer acht die von der Aka¬ 
demie besorgte, bis zum vierzehnten Bande gediehene 
Ausgabe von Friedrich’s politischer Korrespondenz, 
welche trotz den ihrer Redaktion durch den Tod zu¬ 
gefügten schweren Verlusten rüstig fortschreiten wird. 
Nicht bloß minder Eingeweihte erhalten erst aus dieser 
Sammlung vollen Einblick in den unglaublichen Umfang 
seiner Tätigkeit, in seine Beweggründe und diplomatische 
Kunst; doch rechnen wir dies billig noch zu seinen 
staatsmännischen Leistungen. Auch das habe ich nicht 
im Sinne, daß seit etwa zwanzig Jahren in unseren Mei¬ 
nungen eine Wandlung zugunsten des achtzehnten Jahr¬ 
hunderts sich vollzogen hat, welche, früheren Vorurteilen 
und Verdunkelungen entgegen, uns dessen Geist besser 
würdigen lehrte und uns der Eigenart Friedrich’s näher 
brachte. 
Ist es aber nicht erstaunlich, daß noch 1875 Rigol" 
lot in Vendôme, und noch ganz vor kurzem unser 
Kollege Hr. Zeller es ersprießlich fanden, sich rnit 
Friedrich als philosophischem Denker näher zu befassen. 
Und wem hätten nicht die von unserem Kollegen Hrn- 
von Sybel aus dem Geheimen Staatsarchiv hervor-
        

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