Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Berliner Französische Kolonie in der Akademie der Wissenschaften. In der Sitzung der Akademie der Wissenschaften zur Geburtstagsfeier des Kaisers und Königs am 25. März 1886 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28655/14/
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Die Berliner Französische Kolonie 
demie geworden, mit neunundzwanzig Jahren, bei Marg- 
graf’s Tode 1782, noch etwas anderes erbte, als das 
Amt eines Direktors der physikalischen Klasse. Fünf¬ 
unddreißig Jahre früher, 1747, hatte Marggraf der Aka¬ 
demie die Beobachtung mitgeteilt, daß aus den Wurzeln 
mehrerer einheimischen, leicht zu bauenden Pflanzen 
unter anderen der Runkelrübe, ein süßes Salz (so hieß 
damals den Chemikern jeder lösliche kristallisierbare 
Körper) sich darstellen lasse, welches vom kostbaren 
indischen Rohrzucker nicht zu unterscheiden sei. „Marg¬ 
graf,“ sagt Hr. Hofmann, „war eine jener Naturen, für 
welche das Interesse einer Entdeckung mit der Fest¬ 
stellung der Tatsache, mit der Ausbildung der Methode 
erschöpft ist. Er war der Mann nicht, eine neue In¬ 
dustrie und eine neue landwirtschaftliche Kultur zu be¬ 
gründen. Ihm fehlte der ungestüme Trieb, welchem 
allein die Lösung solcher Doppelaufgabe gelingen kann.21 
Glücklicherweise hatte Marggraf einen Schüler hinterlassen, 
welchem neben dem Glauben an die Lehre auch die 
feurige Kraft des Apostels innewohnte.“ Dieser Schüler 
war Achard. „Mit leidenschaftlichem Eifer war er be¬ 
strebt, die große Entdeckung seines Lehrers in die Praxis 
überzuführen. Gegen das Ende der neunziger Jahre, also 
ein halbes Jahrhundert, nachdem Marggraf den Rüben¬ 
zucker entdeckt hatte, sind seine Arbeiten so weit ge¬ 
diehen, daß der industriellen Erzeugung von Zucker aus 
Runkelrüben kein Hindernis mehr im Wege zu stehen 
scheint.“ 
In den Verhandlungen über die unserem Mitgliede 
für seine Zwecke zu gewährende Staatshilfe, welche man 
bei Hrn. Hofmann findet, zeigt sich König Friedrich 
Wilhelm III. von ebenso vorteilhafter Seite, einsichtig 
und wohlwollend, wie nicht lange darauf bei der Grün¬ 
dung der Berliner Universität. Aber man weiß wie es 
kam: die Napoleonischen Kriegsläufe, die schrecklichen 
Unfälle des Staates traten zunächst störend dazwischen, 
bis durch die wunderbarste der Fügungen der vom 
Cäsarenwahnsinn ergriffene Imperator die Kontinental¬ 
sperre verhängte, und dadurch der Zuckererzeugung aus 
einheimischem Rohstoff einen Schwung verlieh, der im 
Lauf der Jahrzehnte daraus eine der vornehmsten Ein-
        

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