Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Humboldt-Denkmäler vor der Berliner Universität. In der Aula der Berliner Universität am 3. August 1883 gehaltene Rektoratsrede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28653/22/
2J70 rMe Humboldt-Denkmäler vor der Berliner Universität. 
prickelnder Trank war abgestanden. Und wie zwei 
Menschenalter vorher mit Einem Schlage in Deutschland 
ein Geschlecht von Dichtern und Denkern entstanden 
war, so ging durch ein so merkwürdiges Zutreffen, daß 
man darin ein Gesetz ahnt, jetzt auch zur rechten Zeit 
eine starke und gesunde Saat echter Naturforscher auf. 
Doch kam noch etwas anderes hinzu, wodurch die 
äußeren Geschicke der deutschen Wissenschaft fortan 
wesentlich bestimmt wurden. 
Friedrich der Grosse hielt ein halbes Jahrhundert 
lang die Augen der Welt auf die Hauptstadt seiner 
Monarchie gerichtet. Durch Berufung von Männern wie 
Maupertuis, Euler, Lagrange hatte er der von ihm neu¬ 
begründeten Akademie der Wissenschaften zeitweise 
hohen, zum Teil vom Auslande geborgten Glanz ver¬ 
liehen. Ein Sitz deutschen Geisteslebens war Berlin 
unter ihm nicht geworden. Der Schwerpunkt der Ber¬ 
liner Bildung lag in der französischen Kolonie. Sieht 
man ab von Lessing’s kurzen Aufenthalten, vom Vorbild 
des Nathan, Moses Mendelssohn, vom korrekt frostigen 
Ramler und vom Verfasser der 'Freuden des jungen 
Werther’, dessen Gesichtsphantasmen das nun für immer 
mit dem Namen Humboldt verbundene Tegel seinen 
Platz in der Brockenszene des Faust verdankt23 — so 
hat im vorigen Jahrhundert Berlin in der deutschen 
Literatur kaum eine Bedeutung erlangt. Nicht einmal 
eine nationale Schaubühne besaß es, die mit dem Ham¬ 
burger, Mannheimer, Leipziger Theater gleichen Einfluß 
geübt hätte. In Carl August’s winziger Residenz an der 
Ilm, in der kleinen thüringer Hochschule, wo wir 
die Humboldt mit Goethe und Schiller, die Dioskuren 
der Wissenschaft, wie Goethe sie nennt,24 mit den Dios¬ 
kuren der Poesie im Verkehr trafen, da fand sich das, 
wonach Geibel’s Dichtung den alternden Weltweisen von 
Sanssouci so schmerzlich sich sehnen läßt. 
Wenn seitdem Berlin, wie es politisch Deutschlands 
Hauptstadt ward, auch in geistigem Bezüge den deut¬ 
schen Städten voranschritt, so war dies natürlich nicht 
die Wirkung Einer Ursache, nicht das Werk eines ein¬ 
zigen Mannes. Obenan in der Reihe der Umstände, 
welche dazu führten, steht aber unstreitig die Schöpfung
        

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