Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich II. in englischen Urteilen. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 25. Januar 1883 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28651/7/
Friedrich II. in englischen Urteilen. 
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Essay ab. Eine in Aussicht gestellte Fortsetzung er¬ 
schien nie. Von den dreiundzwanzig friedlichen Re¬ 
gierungsjahren, die dem Siebenjährigen Kriege folgten, 
von Friedrich’s wiederaufbauender, gesetzgeberischer, 
verwaltender Tätigkeit, von dem einsamen Weltweisen 
auf Sanssouci, erfährt der Leser nichts. Im Grunde doch 
wohl ein Glück: denn was Friedrich als Mensch wirklich 
an Schwächen besaß, kam naturgemäß in dieser Periode 
eher zum Vorschein, und vollends die Teilung Polens 
hätte zu neuen Schmähungen Anlaß gegeben. 
Ein Angriff von seiten Macaulay’s unter dem histo¬ 
rischen ledergelben und blauen Umschläge war nicht zu 
verachten. Obwohl er, wie bemerkt, seine englische 
Geschichte noch nicht geschrieben hatte, stand er schon 
auf der Höhe schriftstellerischen Ruhmes. Grausam 
zerfleischt zu werden von der unsterblichen Feder, welche 
Lord Clive und Warren Hastings verherrlicht und Hrn. 
von Ranke’s Geschichte der Päpste popularisiert hatte, 
war keine Kleinigkeit, wenn auch Friedrich’s Ruhm eher 
als der Horace Walpole’s diesem Mißgeschick gewachsen 
war, und zudem Macaulay in dem Essay über Friedrich 
sich nicht zu seinem Vorteile zeigt. Wie er in seiner 
Erörterung von Francis’ Ansprüchen auf die Autorschaft 
der Juniusbriefe bemerkt, erzeugt jeder Schriftsteller not¬ 
wendig einmal sein bestes Werk, und dies kann sehr viel 
besser sein, als sein zweitbestes.23 Man kann auch umge¬ 
kehrt sagen, daß jeder Schriftsteller notwendig einmal sein 
schwächstes Werk erzeugt, und daß dies sehr viel schwächer 
sein kann, als sein zweitschwächstes. Dem Essay über 
Friedrich dürfte unter Macaulay’s Schriften ziemlich jener 
tiefste Rang gebühren. Macaulay selber war später da¬ 
mit minder zufrieden, so daß er Bedenken trug, ihn in 
die Sammlung seiner Aufsätze aufzunehmen; doch druckte 
er ihn schließlich wieder ab, ohne die darin enthaltenen 
Urteile zu mildern.24 Sogar rein literarisch betrachtet, 
dürfte der Essay hinter Macaulay’s sonstigen Leistungen 
Zurückbleiben. Napier warf ihm vor, in seinen Aus¬ 
drücken nicht wählerisch genug gewesen, zum ‘slang’ 
hinabgestiegen zu sein, wogegen Macaulay sich in einem 
langen Briefe verwahrt.26 Doch kann man ihm auch 
den entgegengesetzten Vorwurf machen. Was sonst bei
        

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