Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich II. in englischen Urteilen. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 25. Januar 1883 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28651/3/
Friedrich II. in englischen Urteilen. 
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Andenken des großen Federigo beim italienischen Volke 
lebendig an.5 Aber nicht bloß die Menge hält es dort 
hoch : erst unlängst brachte der ausgezeichnete Biograph 
Savonarola’s und Machiavelli’s, Hr. Vhxari, dem Ver¬ 
fasser des Antimachiavel einen Tribut der Verehrung 
dar.6 Über die Ausbrüche wilden Hasses gegen den 
König, in welchen Alfieri in seiner Autobiographie teils 
aus theoretischen Gründen, teils vielleicht aus verletzter 
Eitelkeit sich ergeht, kann man bei der augenscheinlichen 
Unzurechnungsfähigkeit des Dichters wohl hinwegsehen.7 
Obschon dann der Tag von Roßbach sicher geeignet 
war, das französische Nationalgefühl zu kränken, obschon 
Maria Theresia’s Tochter auf Frankreichs Throne saß, 
und obschon Voltaire’s posthume Schmähschrift dort am 
stärksten wirken mußte, war doch in Frankreich Friedrich 
eine kaum minder volkstümliche Figur als in Deutschland. 
Seine Kriegskunst feierte Guibert, der Geliebte von 
d’Alembert’s Freundin, Mlle de l’Espinasse.8 Der Ver¬ 
fasser der einst so berühmten ‘Geschichte beider Indien’, 
Abbé Raynal, wußte darin einen glänzenden Panegyricus 
auf den König von Preußen einzuflechten.9 Mirabeau’s 
Mißbilligung des Fried erizianischen Regierungssystemes 
vertrug sich sehr gut mit der Ehrfurcht, welche der schon 
schwer erkrankte Monarch dem unbändigen Abenteurer 
(weiter hatte es damals Graf Riquetti noch nicht gebracht) 
bei seinem Besuch in Potsdam einflößte.10 Mit wie grund¬ 
sätzlichem Abscheu später die Revolutionsmänner auf 
Friedrich wie auf jedes gekrönte Haupt blicken mochten, 
man muß es andererseits Napoléon lassen, daß er eine 
Empfindung für die Höhe des Geistes besaß, dessen 
Schöpfung er zeitweise über den Haufen warf. Wenige 
Wochen vor der Julirevolution erschien eine sehr freund¬ 
lich gehaltene Lebensbeschreibung Friedrich’s von Ca¬ 
mille Paganel.11 Und was in Frankreich von einer Be¬ 
deutung ist, die wir nur schwer würdigen können: in 
seinen Causeries räumt der literarische Feinschmecker 
Sainte-Beuve dem Geschichtsschreiber und Briefsteller 
Friedrich unter den französischen Prosaikern einen höchst 
ehrenvollen Platz ein.12 Ebenso sympathisch behandelte 
!hn noch 1870 Hr. Gustave Desnoiresterres in einem 
seiner anziehenden Bücher über Voltaire und die fran-
        

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