Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich II. in englischen Urteilen. In der Friedrichs-Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 25. Januar 1883 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28651/11/
Friedrich II. in englischen Urteilen. 
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Das Urteil der Engländer über Vorgänge der äußeren 
Politik und die darin handelnden Personen wird natürlich 
gleichfalls durch ihre nationalen Interessen bestimmt, da 
sie vorzugsweise ihre eigenen, die Welt aus anglo- 
zentrischer Perspektive anschauenden Geschichtschreiber 
lesen, auch wohl ihre geschichtlichen Meinungen aus 
politischen, parteiisch gefärbten Reden und Tageblättern 
schöpfen. 
Die Unabhängigkeit des politischen Urteils der Eng¬ 
länder zeigt sich deutlich in ihrer Stellung zum ersten 
Napoléon. Er hatte die Völker, in denen er nur ein 
Spielwerk seiner ungeheuren Selbstsucht sah, in den 
blutigen Schlamm von hundert Schlachtfeldern ge¬ 
stampft. Dennoch war er während der nächsten Jahr¬ 
zehnte auf dem Festlande Vielen der Gegenstand einer 
Anbetung, ähnlich der, welche die Hindu ihren grä߬ 
lichen Gottheiten zollen. Deutsche Dichter besangen die 
Napoleonische Legende. Den Engländern blieb der Heros, 
der ihrer Insel nichts hatte anhaben können, immer nur 
der verlogene, gewissenlose, gewalttätige Condottiere, der 
Nationalfeind Buonaparte, der sich durch die Kontinental¬ 
sperre für die Verbrennung seiner Flotte und die Ver¬ 
eitelung seiner Invasionspläne rächte. Nur bei Lord 
Byron, welcher noch mit anderen Meinungen seiner 
Landsleute im Kampfe lag, und den englischen Sieger 
von Waterloo haßte, findet sich, merkwürdigerweise wie 
bei Heinrich Heine verbunden mit Weltschmerz und 
Selbstverspottung, jener unnatürliche Cäsarenkultus. 
Wenn in diesem Falle das Urteil der Engländer 
durch die besonderen Umstände, welche es zu bestim¬ 
men pflegen, richtig geleitet wurde, so fehlt es auch 
nicht an Beispielen, wo solche Umstände es in die Irre 
führten. Darunter steht obenan das englische Urteil 
über Friedrich. 
Das Haus Hannover hatte aus Deutschland wenig 
Zuneigung für Preußen mitgebracht. Trotz den Familien¬ 
beziehungen der Höfe blickte man in Hannover mit Ver¬ 
achtung auf die Armut und Sparsamkeit, mit Scheu auf 
den Militarismus und das straffe Beamtentum, mit Scheel- 
Sucht und Besorgnis auf die langsam, aber stetig wach¬ 
ende Macht des sich mühsam und ehrlich empor-
        

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