Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die sieben Welträtsel. In der Leibniz-Stiftung der Akademie der Wissenschaften am 8. Juli 1880 gehaltene Rede
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit28646/29/
Die sieben Welträtsel. 
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lytische Mechanik reicht bis zum Problem der persön¬ 
lichen Freiheit, dessen Erledigung Sache der Abstrak¬ 
tionsgabe jedes Einzelnen bleiben muß.“48 Es kam aber 
später, ich mache daraus kein Hehl, für mich der Tag 
von Damaskus. Wiederholtes Nachdenken zum Zweck 
meiner öffentlichen Vorlesungen ‘Über einige Ergebnisse 
der neueren Naturforschung ’ führte mich zur Überzeugung, 
daß dem Problem der Willensfreiheit mindestens noch 
drei transzendente Probleme vorhergehen; nämlich außer 
dem schon früher von mir erkannten des Wesens von 
Materie und Kraft, das der ersten Bewegung und das 
der ersten Empfindung in der Welt. 
Daß die sieben Welträtsel hier wie in einem mathe¬ 
matischen Aufgabenbuch hergezählt und numeriert wurden, 
geschah wegen des wissenschaftlichen Divide et impera. 
Man kann sie auch zu einem einzigen Problem, dem 
Weltproblem, zusammenfassen.49 
Der gewaltige Denker, dessen Gedächtnis wir heute 
feiern, glaubte dies Problem gelöst zu haben: er hatte 
sich die Welt zu seiner Zufriedenheit zurechtgelegt. 
Könnte Leibniz, auf seinen eigenen Schultern stehend, 
heut unsere Erwägungen teilen, er sagte sicher mit uns: 
‘ Dnbitemus'. 
Anmerkungen. 
i (S. 65). Die Rede über die sieben Welträtsel erschien 
zuerst in den Monatsberichten usw. 1880. S. 1045 fr., dann 
in der Deutschen Rundschau, 1881. Bd. XXVIII. S. 352 ff-, 
ferner bei Veit & Comp, in Leipzig zusammen mit der Rede 
über die Grenzen des Naturerkennens im Jahre 1881, 1884, 
1891 und 1907 (vgl. Bd. I. S. 465). — Eine englische 
Übersetzung brachte The Popular Science Monthly. New 
York 1882. vol. XX. p. 433 sqq. — Die Rede vervollständigt 
die Untersuchung über die der mechanischen Auffassung der 
Welt gezogenen Schranken, und ergänzt sich mit dem Vor¬ 
trage über die Grenzen des Naturerkennens zum Gesamtbilde 
meiner Weltanschauung. In der objektiven Zergliederung der 
Erscheinungswelt, wie diese Untersuchungen sie sich vorsetzen,
        

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